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Bandscheibenvorfall - Beschreibung

Dr. med. Katharina Larisch

Die Bandscheiben liegen zwischen den Wirbelkörpern der Wirbelsäule und sorgen für die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Gleichzeitig sind sie eine Art „Polster“, um Stöße abzufedern. Die Bestandteile einer Bandscheibe (Diskus intervertebralis) sind ein faser-knorpeliger Bindegewebsring (Anulus fibrosus) und ein zentraler weicher Kern (Nucleus pulposus, Gallertkern).

Die Bandscheiben befinden sich in unmittelbarer Nähe der Nervenwurzeln, die zwischen den Wirbeln das Rückenmark verlassen und in Arme und Beine ziehen. Verrutscht der weiche Gallertkern der Bandscheibe und durchbricht die faserige Hülle, kann er manchmal auf die umliegenden Nerven drücken. Das typische Gefühl: Der Rücken ist extrem hart und eine einzige Schmerzfläche; ein tiefer, scharfer Schmerzstrahl zieht sich von der Rückseite der Oberschenkel bis in die Wade und den Fuß.

Nicht immer drückt die verrutschte Bandscheibe auf die Nervenwurzeln. Es kann auch das Rückenmark oder ein Nervenbündel unterhalb des Rückenmarks (der so genannte Pferdeschweif, Cauda equina) gequetscht sein.

Ein Bandscheibenvorfall tritt meist im unteren Bereich der Lendenwirbelsäule auf. Die Betroffenen sind in der Regel zwischen 30 und 60 Jahre alt. An der Halswirbelsäule kommt ein Bandscheibenvorfall weniger häufig vor. Die Brustwirbelsäule ist am seltensten betroffen (ca. zwei Prozent aller Vorfälle). Untersuchungen von Menschen ohne Rückenschmerzen zeigen das ca. 30 Prozent der 30-jährigen und 50 bis 60 Prozent der Menschen über 50 Jahre einen Bandscheibenvorfall ohne jegliche Beschwerden haben.

Ursachen

Veränderungen der Bandscheiben  sind ein natürlicher unvermeidlicher Alterungsprozess. Vor allem Bewegungsmangel, Übergewicht und eine schwachen Bauch- und Rückenmuskulatur fördern  eine Belastung und verstärkte Abnutzung der Bandscheiben. Fehl- oder Überbelastungen der Wirbelsäule, etwa beim Heben schwerer Gegenstände spielen eine geringerer Rolle als meist angenommen wird.

Aber auch in der Schwangerschaft besteht die Gefahr einer relativen Überlastung der Bandscheiben, weil der Körperschwerpunkt nach vorne verlagert ist und die Hormonumstellung eine vermehrte Wassereinlagerung in den Bandscheiben zur Folge hat. Sie werden insgesamt instabiler und springen leichter aus ihrer Verankerung.

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Symptome – Nerven gequetscht

Nicht jeder Bandscheibenvorfall führt automatisch zu Beschwerden. Die Symptome entstehen hauptsächlich, weil die vorgefallene Bandscheibe auf einzelne Nervenwurzeln, das Rückenmark oder das Nervenfaserbündel in der Lendenwirbelsäule (Pferdeschweif) drückt.

Oft bestehen nur Rückenschmerzen (Lumbago) ohne ausstrahlende Nervenschmerzen. Die Lendenwirbelsäule ist eingeschränkt beweglich und die Rückenmuskeln verspannen sich, was einen Großteil der Schmerzen ausmacht.

Wird eine Nervenwurzel in ihrem knöchernen Nervenwurzelkanal komprimiert, beginnen ziehende Schmerzen in einem Bein oder Arm, meist verbunden mit Gefühlsstörungen wie Ameisenlaufen, Kribbel- oder Taubheitsgefühlen. Als nächste Folge können Kraftabschwächungen einzelner Muskelgruppen (Lähmungen) auftreten. Schmerzen, die von der Lendenwirbelsäule bis in das Bein ausstrahlen, werden auch als Lumboischialgie bezeichnet, da häufig der dickste Nerv des menschlichen Körpers schmerzt. Dieser Ischiasnerv (Nervus ischiadicus) setzt sich aus mehreren Nervenwurzeln der unteren Lendenwirbelsäule zusammen.

Drückt der Vorfall gegen das Rückenmark, können – je nach Höhe der Druckwirkung - auch eine zunehmende Schwäche beider Arme oder Beine sowie Blasenstörungen auftreten. Diese werden von einer Taubheit im Anal- und Genitalbereich begleitet.

Ist der Pferdeschweif betroffen, kann die Kontrolle über Blasen- und Enddarmfunktion verloren gehen. Auch Sensibilitätsstörungen rund um den After und im Bereich der Genitalien, an der Innenseite der Schenkel sowie Lähmungen der Beine sind möglich. Aufgrund der räumlichen Verteilung der Taubheitsgefühle, die der Kontaktfläche eines Reiters mit dem Sattel ähneln, wird dieser Beschwerdekomplex auch Reithosenanästhesie genannt.

Diagnostik

Der Arzt nimmt zunächst die Krankengeschichte (Anamnese) des Patienten auf und untersucht anschließend ausführlich nach orthopädischen und neurologischen Gesichtspunkten. In vielen Fällen lässt sich schon jetzt mit großer Wahrscheinlichkeit sagen, ob und zwischen welchen Wirbeln ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Ein Bandscheibenvorfall gehört in die Hände eines Spezialisten. Lassen Sie sich ausführlich informieren, welche Ursachen Ihr Bandscheibenvorfall hat und beraten, auf was Sie in den nächsten Wochen achten müssen. Je besser Sie informiert sind, desto besser stehen auch Ihre Heilungschancen.

Eine Computer-Tomographie (CT) oder eine Kernspin-Tomographie (MRT) sind notwendig, wenn die körperliche Untersuchung einen Hinweis auf einen klinisch bedeutsamen Bandscheibenvorfall ergeben hat. In der Regel ist ein MRT die Untersuchung der Wahl. Eine normale Röntgenuntersuchung ist nicht notwendig, da sie nur Knochen aber nicht die Bandscheibe und das Nervengewebe zeigen kann.

Allerdings muss nicht jeder im CT oder MRT nachgewiesene Bandscheibenvorfall auch die Ursache der Beschwerden sein. In seltenen Fällen ist zusätzlich eine Darstellung des Raums zwischen Rückenmark und Rückenmarkssack (Duralraum) mit einem Röntgenkontrastmittel notwendig, um die Auswirkungen eines Bandscheibenvorfalls genau zu beurteilen (Myelographie, Myelo-CT oder Myelo-MRT).

Datum: 4. August 2008