Kundenbereich
Ernährung als Therapie
Irmgard Reichhardt, Dipl.-Oecotrophologin
Die meisten Krankheiten haben eine Vielzahl von Ursachen, die negativ zusammenwirken und so die Erkrankung auslösen. Neben genetischen, psychischen und Umweltfaktoren spielt eine unausgewogene Ernährung häufig eine entscheidende Rolle.
So ist es einleuchtend, dass die richtige Ernährung viele Krankheiten günstig beeinflussen und zu einer deutlichen Verbesserung führen kann. Für kranke Menschen ist also die richtige, individuell abgestimmte Ernährung noch wichtiger als für Gesunde.
Zucker sparen bei Diabetes
Ein Beispiel ist die Zuckerkrankheit (Diabetes): Alle Diabetiker, ob sie zum Typ 1 oder Typ 2 gehören, müssen mit dem Zucker vorsichtig umgehen. Ihr Körper kann Zucker schlecht oder gar nicht verwerten, weshalb der Blutzucker in die Höhe schießt. Zuviel Zucker im Blut hat aber dramatische Folgen: Dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte führen zu Schäden an den Gefäßen und Nerven.
Die Folgen sind unter anderem:
- Erblindung: Bei Menschen mit einer diabetischen Netzhauterkrankung werden die feinsten Gefäße der Netzhaut durch dauerhaft zu hohe Zuckerwerte geschädigt und es kann zur Erblindung kommen.
- Erektile Dysfunktion: Die erhöhten Zuckerwerte schädigen die Gefäßwände. Durch die verengten Blutgefäße im Penis kann nicht genügend Blut in die Schwellkörper fließen und der Penis bleibt schlaff. Auch die Nervenzellen können unter den erhöhten Zuckerwerten leiden, weil sie nicht ausreichend mit Blut versorgt werden.
- Diabetisches Fußsyndrom: Es ist auf zwei Folgeerkrankungen einer langjährigen Diabeteskrankheit zurückzuführen: Die diabetische Nervenerkrankung (Polyneuropathie) und die Verengung der Blutgefäße im Bein (periphere arterielle Verschlusskrankheit, abgekürzt pAVK). Im schlimmsten Fall droht hier der Verlust von Gliedmaßen (Amputation).
- Nierenversagen: Ein erhöhter Blutzuckerspiegel bewirkt, dass die Arterien der großen Nierengefäße verkalken (Arteriosklerose). Auch die kleinen Gefäße der Niere werden geschädigt und verändern sich (Glomerulosklerose Kimmelstiel-Wilson). Die diabetische Nierenkrankheit kann in einem Nierenversagen enden.
Die Bauchspeicheldrüse von Typ-1 Diabetikern produziert kein Insulin. Sie müssen deshalb Insulin spritzen, um den Zuckerhaushalt zu regulieren. Die Menge des zugeführten Insulins hängt davon ab, welche Mengen an Kohlenhydraten aufgenommen werden. Wer die Kohlenhydratmenge (zusammengefasst zu BE) von Lebensmitteln abschätzen gelernt hat und weiß, wie viele Einheiten Insulin er pro BE spritzen muss, kann im Prinzip als Diabetiker alles essen oder trinken. Empfehlenswert ist aber eine ausgewogene Kost, die aus viel Obst und Gemüse und wenig Fett besteht. Vorsicht ist auch beim Alkohol geboten, denn alkoholische Getränke erhöhen die Gefahr des Unterzuckers.
Etwa 90 Prozent der Typ-2-Diabetiker sind übergewichtig. Die Betroffenen nehmen über Jahre hinweg zu viele Kohlenhydrate auf, daher muss die Bauchspeicheldrüse große Mengen an Insulin produzieren. Mit der Zeit kann diese Überproduktion zu einer Überlastung der Bauchspeicheldrüse führen und sie vermindert die Hormonproduktion nach und nach. Zum anderen werden die Körperzellen durch die zunächst hohen Insulinmengen im Blut weniger empfindlich gegenüber Insulin (Insulinresistenz). Übergewicht und Bewegungsmangel steigern übrigens die Insulinresistenz der Körperzellen
Ein Typ-2-Diabetiker sollte also sowohl den Kohlenhydratgehalt von Nahrungsmitteln, als auch den Kalorien- und Fettgehalt beachten. Überflüssige Pfunde abzubauen ist äußerst wichtig, da sich dadurch die Insulinresistenz und damit die Blutzuckerwerte verbessern. Es ist bewiesen, dass sich die Entwicklung des Typ-2-Diabetes durch gesunde Ernährung, Gewichtsabnahme und vermehrte körperliche Aktivität zeitlich verzögern lässt. Ein sehr hoher Anteil aller Typ-2-Diabetiker könnten auf diese Weise mittelfristig ohne Medikamente zufriedenstellende Blutzuckerwerte erreichen.
Salz- und Fettbremse für Herzpatienten
Ähnlich wichtig ist die Ernährung für Herz-Kreislauf-Patienten. So können Bluthochdruckpatienten ihre Werte verbessern, indem sie möglichst wenig Salz zu sich nehmen. Menschen mit Gefäßverkalkungen (Arteriosklerose) können ebenfalls über die Ernährung einiges tun, damit sich ihre Arterien nicht weiter durch Ablagerungen verengen. Dabei hilft eine Ernährung, die möglichst wenige gesättigte Fettsäuren und Cholesterin enthält, wie sie vor allem in tierischen Fetten stecken. Wer auf Butter, Sahne fette Milchprodukte und fettes Fleisch weitgehend verzichtet, kann seine Cholesterinwerte positiv beeinflussen. Besonders wichtig ist eine herzfreundliche Ernährung natürlich für Menschen, die einen Schlaganfall oder Herzinfarkt hatten. Ihre Gefäße sind bereits krank. Jede weitere Belastung durch Cholesterin & Co. kann zu weiteren Attacken führen.
Harnsäurestopp für Gichtgeplagte
Auch Menschen mit Gicht können Gichtanfällen mit der richtigen Ernährung vorbeugen. Bei Gichtpatienten befindet sich zuviel Harnsäure im Blut. Diese kristallisiert und lagert sich in Gewebe und Gelenken ab, was zu einem Gichtanfall führt. Ursache für die erhöhte Harnsäurekonzentration kann eine gestörte Nierenfunktion sein. Auch die Art der Ernährung beeinflusst die Konzentration der Harnsäure im Blut. Bestimmte Stoffe – die Purine - werden im Körper zu Harnsäure umgewandelt. Besonders purinreich sind Innereien, Knochenmark, Fleisch- und Hefeextrakt und kleine Fische wie Sardinen oder Sprotten. Purine finden sich aber auch in Fleisch, Wurst, allen anderen Fischen, Hülsenfrüchten, Pilzen, Erdnüssen und Spinat. Wer also zu große Mengen an Purinen aufnimmt, erhöht auch den Harnsäurespiegel. In Tabellen ist teils der Purin-, teils der Harnsäurewert angegeben (Umrechnung: 1 mg Purine = 2,4 mg Harnsäure). Alkohol erhöht den Harnsäurespiegel ebenfalls und sollte deshalb weitgehend gemieden werden. Häufig sind Gichtpatienten auch übergewichtig und sollten deshalb auf den Energiegehalt der Nahrungsmittel achten, jedoch nur langsam abnehmen, um keinen Gichtanfall zu riskieren.
Der Vorsorge-Check und Ernährungsberatung
Bei allen genannten Krankheiten können die routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen helfen, mögliche Krankheiten frühzeitig zu erkennen oder sogar zu vermeiden. Wer seine Blutzucker-, Cholesterin- oder Blutdruckwerte mi Rahmen der routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt kontrollieren lässt, hat in der Regel gute Chancen, zunächst selbst gegenzusteuern, falls diese aus dem Ruder laufen. Möglicherweise lässt sich eine Krankheit so hinauszögern oder sogar ganz vermeiden. Ein gutes Beispiel ist in diesem Fall eine ausgewogene Ernährung, mit der sich oben genannte Krankheit positiv beeinflussen lassen. Sie wissen nicht, wie Sie das anpacken sollen? Im Rahmen der Eigenvorsorgen hilft Ihnen eine Ernährungsberatung, Ihre Ernährung zu analysieren: Wo liegen Fettfallen? Was können Sie stattdessen essen? Sie gibt Tipps, wie Sie sich gesund ernähren und es sich trotzdem schmecken lassen können!
Abspecken entlastet
Am eindruckvollsten ist die heilsame Wirkung einer Ernährungsumstellung jedoch bei Übergewichtigen, die häufig unter einer Vielzahl von Krankheitssymptomen leiden. Dabei müssen dicke Menschen keineswegs gertenschlank werden, bevor sich die erhoffte Wirkung zeigt: Schon ein paar Kilo weniger senken Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerte und entlasten die schmerzenden Gelenke und das Kreuz.Viele würden gerne abnehmen, haben aber schon alle möglichen Diäten hinter sich. Der berüchtigte JoJo-Effekt sorgt meist dafür, dass die Pfunde sehr schnell wieder ansetzen. Manchen fällt es leichter, in der Gruppe abzunehmen oder Sport zu treiben. Ganz nach dem Motto: Geteiltes Leid ist halbes Leid. Und wenn Sie zwischendrin eine „Durststrecke“ haben, gibt es andere, die Sie hier unterstützen.
Ernährungstherapie bei Migräne & Co
Eine Ernährungstherapie kann auch bei anderen Krankheitsbildern helfen: So können bei manchen Menschen bestimmte Nahrungsmittel Migräneattacken, Allergien oder Ekzemschübe auslösen. Auch Menschen, deren Immunsystem durch Stress oder andere Faktoren geschwächt ist, profitieren von einer ausgewogenen Kost.Gerade für kranke Menschen ist es sehr wichtig, den positiven Einfluss der richtigen Ernährung auf den Krankheitsverlauf zu nutzen. Unterstützen kann Sie dabei Ihr Arzt oder Ihre Ärztin und im Rahmen der Eigenvorsorge ein geschulter Ernährungsberater.
Datum: 29. Juli 2008

