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Schlaganfall

Beschreibung

Dr. med. Katharina Larisch

Der Schlaganfall (Apoplex, Gehirninsult, Gehirninfarkt) ist die Folge einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Er wird durch einen Gefäßverschluss (ischämischer Infarkt, 80 Prozent) oder eine Gehirnblutung (20 Prozent) ausgelöst. In der Folge erhalten die Gehirnzellen zu wenig Sauerstoff und Nährstoffe und gehen zugrunde. Rund 165.000 Schlaganfälle ereignen sich in Deutschland jährlich, berichtet das Erlanger Schlaganfall Register. Etwa jeder Dritte stirbt innerhalb der ersten zwölf Monate daran.

Nach Angaben des statistischen Bundesamtes stehen Schlaganfälle in der deutschen Todesursachenstatistik an dritter Stelle. Sie sind die häufigste Ursache von dauerhafter Behinderung. Das Schlaganfall-Risiko steigt mit zunehmendem Lebensalter deutlich an. Etwa die Hälfte der Schlaganfallpatienten ist über 70 Jahre alt. Aber auch jüngere Menschen können einen Schlaganfall erleiden. Insgesamt sind Männer häufiger betroffen als Frauen.

Ursachen

Der ischämische Infarkt (wörtlich: durch Blutleere bedingt) ist die Hauptursache für Schlaganfälle. Diese Hirninfarkte werden durch den Verschluss oder die starke Verengung (Arteriosklerose) von Blutgefäßen ausgelöst, die das Gehirn versorgen. Das Gehirngewebe wird nicht mehr ausreichend durchblutet, was zunächst die Gehirnfunktion nur beeinträchtigt. Dauert der Sauerstoff- und Nährstoffmangel länger als einige Minuten, beginnt das Hirngewebe abzusterben. Hoher Blutdruck, Diabetes oder erhöhte Blutfette verursachen eine Arteriosklerose in den Halsschlagadern oder in den Gehirnarterien selbst. Dadurch werden die Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, immer stärker eingeengt - bis zum vollständigen Gefäßverschluss.

Die Gefäße können aber auch durch Einschleppung von Blutgerinnseln aus anderen Körperregionen verschlossen werden (Embolie). Dazu kommt es vor allem bei:

  •  Herzrhythmusstörungen, insbesondere Vorhofflimmern.
  • Auch von hochgradigen Einengungen der großen Hirnarterien (Arteria carotis) können Embolien ausgehen, durch die dann kleinere Hirnarterien stromaufwärts verstopft werden.
  • Bestimmten Herzfehlbildungen (offenes Formane ovale): Hier können sogar Blutgerinnsel aus den Beinvenen bis ins Gehirn gelangen.

Bestimmte Herzfehlbildungen: Hier können sogar Blutgerinnsel aus den Beinvenen bis ins Gehirn gelangen. Seltenere Ursachen für Hirninfarkte sind venöse Durchblutungsstörungen im Gehirn, Entzündungen, angeborene Missbildungen und Verletzungen der Gehirngefäße. Ursache der Hirnmassenblutung (intracerebrales Hämatom) und Subarachnoidalblutung ist das Zerplatzen eines kleinen Blutgefäßes im Gehirngewebe. Risikofaktoren sind: Erhöhter Blutdruck (Hypertonie), Störungen der Blutgerinnung sowie Gefäßmissbildungen (Aneurysmata).

 

Symptome

Die Symptome richten sich danach, welcher Teil des Gehirns betroffen ist. Ein ischämischer Infarkt äußert sich ähnlich wie eine Gehirnblutung.

Sehr häufig entstehen halbseitige Lähmungen, bei denen der Mundwinkel der betroffenen Seite herabhängt. Weitere Symptome können Sprach- und Gefühlsstörungen, Schluck- und Sehstörungen (vor allem Doppelbilder), Ungeschicklichkeit der Hände sowie Drehschwindel und eine plötzliche Gangunsicherheit sein. Alle Schlaganfalltypen können Kopfschmerzen verursachen. Häufig treten auch Übelkeit und Erbrechen auf. In einigen Fällen kommt es beim frischen Hirninfarkt auch zu epileptischen Anfällen. Ein schwerer Schlaganfall kann zu Bewusstseinstrübung bis zur Bewusstlosigkeit führen und damit lebensbedrohlich sein.

In 40 Prozent der Fälle gehen dem eigentlichen Schlaganfall kürzere Episoden mit ähnlicher Symptomatik voraus. Die Symptome wie Sehstörungen sind in diesem Fall weniger ausgeprägt und dauern nur kurz an. Diese so genannten TIA´s (transitorische, das heißt vorrübergehende, ischämische Attacken) sollten als Warnhinweise gedeutet werden auch wenn sich diese bereits wieder zurückgebildet haben. Der Patient sollte die Frühwarnzeichen sehr ernst nehmen und am besten in Begleitung eines Angehörigen sofort in ein Krankenhaus gehen.

 

Diagnostik

Besteht auf Grund der Symptome sowie der neurologischen Untersuchung der Verdacht auf einen Hirninfarkt, wird das Gehirn zunächst mittels Computertomographie (Craniale Computertomographie, CCT) untersucht. Dies ist wichtig, weil bei einer Hirnblutung die gleichen Symptome auftreten können wie bei einem ischämischen Infarkt - beide Erkrankungen müssen jedoch unterschiedlich behandelt werden. Im CCT lassen sich diese beiden Entstehungsprozesse eines Schlaganfalls sofort unterscheiden.

Eine Alternative zum CT ist die Kernspin-Tomographie (MRT). Schlaganfälle im Bereich des Hirnstamms (Hirnstamminfarkt) können mit einem MRT besser beurteilt werden als mit einem CCT. Wichtig sind in jedem Fall eine schnelle Diagnose und ein rascher Beginn der Behandlung.  

Je nach Schlaganfalltyp folgen weitere Untersuchungen, beispielsweise die Darstellung der Blutgefäße im Gehirn (Angiographie, MR-Angiographie oder CT-Angiographie). Engstellen, Gefäßverschlüsse, Gefäßlecks oder Gefäßmissbildungen werden damit sichtbar. Eine Ultraschalluntersuchung der hirnversorgenden Blutgefäße (Doppler/Duplex-Untersuchung) lässt Gefäßverschlüsse oder hochgradige Verengungen erkennen. Auch der Grad der Arteriosklerose lässt sich damit messen. Ein EKG gibt Auskunft über mögliche Herzrhythmusstörungen, aber auch schon ein unregelmäßiger Puls kann ein Hinweis darauf sein. Häufig wird auch eine Echokardiographie durchgeführt, mit der man eventuelle Emboliequellen ausfindig machen kann. Auch Blutuntersuchungen werden routinemäßig durchgeführt, hier lassen sich beispielsweise Blutgerinnungsstörungen nachweisen.

Eine Blutuntersuchung hilft mögliche Risikofaktoren wie etwa hohe Blutcholesterinwerte aufzudecken.

Jeder Schlaganfall hat weitreichende Konsequenzen für den Erkrankten und kann lebensbedrohlich sein. Daher ist es wichtig, dass Sie sich über alle Facetten der Erkrankung informieren. Nur dann können Sie gemeinsam mit einem Spezialisten die richtigen Entscheidungen treffen.    

Wichtig ist, dass die Untersuchungen den Beginn der Behandlung nicht verzögern. Denn nach jedem Schlaganfall gilt: „Zeit ist Hirn.“ Dazu ist aber auch die Wachsamkeit eines jeden notwendig. Wenden Sie sich schon bei möglichen ersten Anzeichen eines Schlaganfalls sofort an Ihren Arzt oder ein neurologisches Krankenhaus.

Datum: 4. August 2008

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