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Aktuelle Meldungen Dezember
Meldungen in der Übersicht
- 18.12.2009 - Schweinegrippe: Körperprotein stoppt Virus
- 17.12.2009 - Schweinegrippe: RKI befürchtet neue Welle
- 17.12.2009 - Schweinegrippe: Impfstoff für Schwangere steht bereit
- 17.12.2009 - Schweinegrippe: Schwerer Verlauf lässt sich vorhersagen
- 07.12.2009 - Schweinegrippe: Schnelltest für medizinische Anwendung zugelassen
- 07.12.2009 - Schweinegrippe: Was tun mit überzähligem Impfstoff?
- 07.12.2009 - H1N1-Impfung bei Kindern: Fieber nach der zweiten Dosis
- 03.12.2009 - Schweinegrippe: Infektionswelle ebbt ab
Schweinegrippe: Körperprotein stoppt Virus
Cambridge (ddp). Eine Gruppe körpereigener Proteine macht Viren wie dem Schweinegrippe-Erreger erfolgreich den Garaus: US-Forscher haben herausgefunden, dass die IFITM genannte Eiweißfamilie bis zu 90 Prozent der Krankheitserreger schon bei dem Versuch abtötet, sich zur Vermehrung in eine Körperzelle einzuschleichen.
Je mehr der Agenten gegen die Schweinegrippe-Viren Wache halten, desto leichter verläuft die Erkrankung: Einige Patienten kommen so mit einem leichtem Schnupfen davon. Die Wissenschaftler arbeiten daher an einem Verfahren, die Proteingruppe mit einem Trick gezielt direkt zur Zelloberfläche zu bringen und damit den Ausbruch der Krankheit zu verhindern. IFITM wird auch gegen gefährliche Infektionskrankheiten wie Gelb-, Westnil- und Dengue-Fieber aktiv. Die Ergebnisse stellen die Forscher um Stephen Elledge von der Harvard Medical School im Fachmagazin «Cell» vor. (doi:10.1016/j.cell.2009.12.017)
«Ohne IFITM vermehrt sich ein Schweinegrippe-Virus in einer Körperzelle bis zu zehnmal schneller», beschreibt Elledge die Schutzkraft der Proteine. «Weil sie an der Zellwand sitzen und Moleküle aller Art auf dem Weg in die Zelle kontrollieren, bilden sie die vorderste Verteidigungslinie des Körpers gegen Viren.» In Experimenten mit Zellen von Mäusen und Menschen wiesen die US-Forscher nach, dass dem Angreifer keine Zeit bleibt, sein gefährliches Erbmaterial einzuschleusen. Wenn Zellen infiziert sind, reagieren sie mit dem immunstimulierenden Hormon Interferon, das gegen Viren und Tumore aktiv wird. «Interferon gibt den Zellen mehr Schutz als IFITM, aber als wir in den Versuchen das Protein ausschalteten, ließ seine Wirkung stark nach», berichtet Elledge.
Medikamente auf Basis von IFTIM könnten künftig über sogenannte Liposome im Körper an ihren Bestimmungsort transportiert werden: In winzigen Kügelchen von wasserabweisenden Molekülen reisen sie zur Zelloberfläche. «Das dürfte den Schutz in der alljährlich wiederkehrenden Grippesaison erhöhen», meint Elledge. Das ist ohne weitere Grundlagenforschung allerdings noch Zukunftsmusik: Noch wissen die Forscher nicht, wie eine Zelle auf die massenhafte Verabreichung der Proteingruppe reagiert. Erforscht werden muss zudem, wie der Antiviren-Schutz mit den verschiedenen Techniken zurechtkommt, mit denen Viren an Zellen andocken. Auch werden nicht alle Viren abgewehrt: So lässt IFTIM beispielsweise das Aids- oder Hepatitis-C-Virus passieren.
Die Proteingruppe ist ein alter Bekannter der Medizin: Vor 25 Jahren hatten Wissenschaftler Tausende von Genen identifiziert, die bei Virenbefall vom Immunsystem zur Wirkstoffproduktion aktiviert werden. Darunter befanden sich auch die IFITM-Gene, die in vielen Lebewesen nachgewiesen wurden - angefangen bei Fischen bis hin zu Hühnern.
Schweinegrippe: RKI befürchtet neue Welle
Berlin (ddp). Der Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, hat trotz rückläufiger Zahlen bei den Erkrankungen mit der sogenannten Schweinegrippe vor einem Unterschätzen des Virus gewarnt. «Die Neue Grippe ist nicht verschwunden», sagte Hacker am Donnerstag im ZDF-«Morgenmagazin». In Deutschland habe es bislang 119 Todesfälle nach Influenza H1N1-Infektionen gegeben, von einem Ende der Pandemie könne man noch nicht sprechen. Es sei durchaus möglich, dass «wir im späten Winter oder im Frühjahr eine weitere Welle bekommen».
Zuletzt seien innerhalb einer Woche 6800 Neuerkrankungen gemeldet worden, auf dem bisherigen Höhepunkt seien es 30.000 Fälle gewesen, sagte Hacker.
Insbesondere Schwangere sollten erwägen, sich impfen zu lassen, weil diese zur Risikogruppe zählten. Dafür sei «in der Tat ein neuer Impfstoff für Schwangere angeschafft worden». Unangenehme Nebenwirkungen sollen dadurch seltener auftreten.
Bisher hätten über 900 Menschen von Nebenwirkungen berichtet. «Wir sehen aber von den Zahlen her, dass es nicht über dem erwarteten Maß liegt, der Impfstoff ist im Prinzip gut verträglich.»
Schweinegrippe: Impfstoff für Schwangere steht bereit
München (netdoktor.de) - Für werdende Mütter steht ab sofort ein neuer Impfstoff gegen den Erreger der sogenannten Schweinegrippe zur Verfügung, der keine Wirkverstärker und kein Quecksilber enthält. Gynäkologen können das Impfserum "CSL H1N1 Pandemic Influenza Vaccine" gegen ein personenbezogenes Rezept bei den Apotheken bestellen, berichtet die "Ärzte Zeitung". Andere Arztgruppen sind nicht bezugsberechtigt. Damit soll gewährleistet werden, dass die 150.000 Einzeldosen Schwangeren vorbehalten bleiben. Die Impfstoffabgabe ist je nach Bundesland unterschiedlich geregelt.
Laut der Impfempfehlungen von Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und Robert Koch-Institut (RKI) können Schwangere sowohl mit adjuvantiertem und nicht-adjuvantiertem Impfstoff immunisiert werden. Erprobt und bewährt sind jedoch nur Impfstoffe gegen die saisonale Grippe, und diese enthalten keine Adjuvatien. Aus Sicherheitsgründen sollten Schwangere deshalb bis weitere Daten vorliegen bevorzugt mit Impfstoff ohne Wirkverstärker geimpft werden. "Die Überlegungen des bevorzugten Einsatzes nicht-adjuvantierter Impfstoffe beziehen sich ausschließlich auf Schwangere", schreiben Paul-Ehrlich-Institut und Robert Koch-Institut.
Der jetzt in Deutschland verfügbare Impfstoff werde seit Mitte September in den USA, Australien, Kanada und Singapur gegen die Neue Grippe eingesetzt - für alle Personengruppen inklusive Schwangere, sagte Dr. Susanne Stöcker vom Paul-Ehrlich-Institut zur "Ärzte Zeitung". Bis Ende Oktober seien etwa zehn Millionen Dosen ausgeliefert worden. "Die berichteten Nebenwirkungen waren gleich denen bei den saisonalen Grippeimpfstoffen", so Stöcker. (nb)
Schweinegrippe: Schwerer Verlauf lässt sich vorhersagen
München (netdoktor.de) - Die meisten Menschen überstehen eine Infektion mit der sogenannten Schweinegrippe problemlos, während andere an den Folgen sterben. Ein internationales Forscherteam entdeckte nun Unterschiede im Immunsystem, die eine Vorhersage des Krankheitsverlaufs erlauben. In näherer Zukunft lasse sich so das Risiko infizierter Personen testen, hofft die Gruppe. Es werde jedoch länger dauern, auch eine passende Behandlung zu entwickeln, schreiben die Studienautoren in der Fachzeitschrift "Critical Care" (2009, 13: R201).
Die kanadischen und spanischen Wissenschaftler führten umfangreiche Analysen bei 35 Patienten und 15 Kontrollpersonen durch. Bei 20 der infizierten Männer und Frauen nahm die Schweinegrippe einen schweren Verlauf mit Lungenentzündung - sie mussten in der Intensivstation behandelt werden. Die restlichen 15 Patienten zeigten lediglich leichte Symptome, die mit der saisonalen Grippe vergleichbar waren.
Blutuntersuchungen offenbarten zunächst keine Unterschiede zwischen den Patienten-Gruppen. Nach kurzer Zeit reagierte jedoch das Immunsystem der Infizierten, die später unter Lungenentzündung leiden sollten, anders als das der anderen Teilnehmer: Bestimmte T-Helferzellen, speziell Th1 und Th17, wurden von der körpereigenen Abwehr in hohem Maße aktiviert. Die beiden Zelltypen begünstigten die schweren Entzündungsreaktionen, die später folgten.
Studienleiter Dr. David Kelvin geht davon aus, dass ein Test auf große Mengen an Th17 oder auf Substanzen, welche die Helferzellen aktivieren, entwickelt wird. "Ein diagnostischer Test könnte uns früh warnen, wer ein Risiko für eine schwere Form dieser Krankheit hat", so Kelvin. Er könne sich auch eine Therapie für die Betroffenen vorstellen, bei der Th17-Zellen gezielt gehemmt würden. Von einem Einsatz einer solchen Behandlung sei die Medizin jedoch noch viele Jahre entfernt. (fs)
Schweinegrippe: Schnelltest für medizinische Anwendung zugelassen
Jena (ddp). Ein von der Analytik Jena AG entwickelter Schnelltest für den Schweinegrippe-Erreger H1N1 ist jetzt auch für die medizinische Anwendung in Krankenhäusern und Laboren zugelassen worden. Wie eine Sprecherin am Freitag mitteilte, war der Test im Oktober zunächst für Forschungszwecke zugelassen worden. Mehrere tausend Tests zum Nachweis des Erregers seien erfolgreich gewesen. Testergebnisse sollen innerhalb von zwei Stunden vorliegen. Nach Firmenangaben ist das neue Verfahren günstiger als andere und kann auch an Orten mit hohem Menschenaufkommen wie an Flughäfen eingesetzt werden.
Schweinegrippe: Was tun mit überzähligem Impfstoff?
Bielefeld (ddp). In Deutschland haben sich nach einem Zeitungsbericht erst rund sechs Prozent der Bürger gegen die sogenannte Schweinegrippe impfen lassen. Daher soll ein Teil der von den Bundesländern bestellten 50 Millionen Dosen des Impfstoffes Pandemrix an bedürftige Staaten verschenkt werden, berichtet das Bielefelder «Westfalen-Blatt» (Montagausgabe) weiter. Es sei durchaus sinnvoll, im Rahmen der Entwicklungshilfe überzähligen Impfstoff abzugeben, sagte der Staatssekretär im thüringischen Gesundheitsministerium, Hartmut Schubert, der Zeitung. Eine entsprechende Anfrage aus Afghanistan liege bereits vor.
Auch der Verkauf von Pandemrix sei möglich. Derzeit gebe es Überlegungen, die Pandemrix-Produktion des Pharmakonzerns GlaxoSmithKline aus der Woche zwischen Weihnachten und Neujahr der Ukraine zu überlassen, sagte Schubert. Es handele sich um zwei Millionen Impfdosen. Auch andere osteuropäische Staaten wie Moldawien hätten bei der Regierung bereits Impfstoff angefragt.
Da die Impfbereitschaft der Bürger gering sei und nur eine Impfung gegen die Neue Grippe pro Person ausreiche, dürften die Bundesländer nicht auf den Kosten der überzähligen Impfdosen hängenbleiben, sagte Schubert. Auch der Bund müsse sich an den Impfkosten beteiligen. Würden überzählige Impfdosen anderen Staaten überlassen, könne dies nur von der Bundesregierung geregelt werden. Werde ein Teil der bestellten Impfdosen ins Ausland geliefert, müssten die Länder zudem aus der Haftung für mögliche Impfschäden entlassen werden, forderte Schubert.
Bis Ende November wurden den Angaben zufolge 9,6 Millionen Impfdosen geliefert. Davon wurden lediglich 4 bis 5,8 Millionen Dosen verimpft. Bis Ende Dezember sollen 20 Millionen Impfdosen geliefert werden. Erst Ende März soll die komplette Lieferung der 50 Millionen Dosen erfolgt sein. Die Gesamtkosten für eine Impfung werden mit 28 Euro veranschlagt. Für eine Dosis Impfstoff werden hiervon neun Euro gezahlt. Die Kosten teilen sich Krankenkassen und Länder. Die Kassen rechnen mit einem Anteil von 600 Millionen Euro.
H1N1-Impfung bei Kindern: Fieber nach der zweiten Dosis
München (netdoktor.de) - Kinder unter drei Jahren bekommen nach der zweiten Dosis des Impfstoffs Pandemrix® häufig Fieber, warnt die europäische Arzneimittelagentur EMEA. Die Agentur rät trotzdem nicht von der Impfung gegen die sogenannte Schweinegrippe ab. Auch sollten die Kleinen weiterhin mit zwei Dosen geimpft werden, da die zweite Spritze die Wirksamkeit der Immunisierung verbessere, heißt es in der Pressemitteilung. Ärzte und Eltern sollten aber verstärkt auf Fieberreaktionen achten und gegebenenfalls mit fiebersenkenden Maßnahmen gegensteuern.
Die EMEA stützt ihre Warnung auf die Zwischenauswertung einer laufenden Studie des Impfstoff-Herstellers GlaxoSmithKline mit Kindern im Alter von 6 Monaten bis 3 Jahren. Nach der zweiten Impfstoffdosis hätten demnach mehr Kinder Fieber über 38°C bekommen als nach der ersten Pandemrix-Spritze.
Die Arzneimittelagentur hat nun eine überarbeitete Version der Fachinformation vorgelegt. Die Häufigkeit von Fieber über 38°C wird darin mit 43,1 Prozent nach der zweiten Impfdosis angegeben, gegenüber 5,9 Prozent nach der ersten Dosis. Temperaturen über 39°C entwickelten 3,9 Prozent der Kinder (kein Kind nach der ersten Impfung). Auch andere Nebenwirkungen nach der zweiten Impfdosis sollen in die Fachinformation aufgenommen werden. Dazu gehören Schmerzen, Rötungen, Schwellungen, Schläfrigkeit, Reizbarkeit, Appetitverlust und Fieberkrämpfe. (nb)
Schweinegrippe: Infektionswelle ebbt ab
Berlin/Bielefeld (ddp). Die Zahl der gemeldeten Infektionen mit dem sogenannten Schweinegrippe-Virus in Deutschland ist seit Mitte November stark gesunken. Angesichts eines Rückganges von 33 000 auf 23 000 Fälle innerhalb der vergangenen zwei Wochen sprach der Direktor des Robert-Koch-Instituts (RKI), Jörg Hacker, am Mittwoch bei einer Sitzung des Gesundheitssausschusses davon, dass möglicherweise ein Scheitelpunkt erreicht sei. Johannes Löwer, bis vor kurzem Präsident des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI), gab zu bedenken, dass es durchaus zu einer weiteren Welle kommen könne.
Bereits am Wochenende hatte es Meldungen gegeben, wonach die Schweinegrippe-Welle langsam abebbt. Dabei wurde auf Zahlen aus Bayern verwiesen. Dort ist die Zahl der akuten Atemwegserkrankungen, die als ein Indikator gilt, rückläufig. In Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gebe es indes noch eine Zunahme an Fällen, sagte Hacker während der Sitzung in Berlin.
Auch der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) befürchtet eine neue Schweinegrippe-Welle und rief - auch angesichts der aktuell noch bestehenden Ansteckungsgefahr - alle werdenden Mütter zur Impfung auf. Nach Ansicht der Sprechers der AG Impfen des BVF, Michael Wojcinski, ist eine Immunisierung nicht nur für Schwangere mit Übergewicht oder chronischen Krankheiten, sondern auch für gesunde Schwangere empfehlenswert.
Jenen Frauen, die sich impfen lassen wollen, empfahl der Bielefelder Gynäkologe, nicht erst auf den speziellen Impfstoff ohne Wirkverstärker (Adjuvanzien) zu warten, sondern sich mit Pandemrix impfen zu lassen. «Nach Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts gibt es derzeit keine Hinweise aus Studien am Tiermodell beziehungsweise am Menschen für eine schädigende Wirkung des Adjuvans auf das Ungeborene», erklärte er.
Die rund 150 000 Dosen mit dem speziellen Schwangeren-Impfstoff werden nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums «in Kürze» zur Verfügung stehen. Ursprünglich sollten sie Ende November ausgeliefert werden.
Bezüglich der rückläufigen Infektionsfälle sagte Wojcinski: «Nach der Lockerung der Meldepflicht werden nicht mehr alle Verdachtsfälle gemeldet, deswegen sinken die Zahlen natürlich.» Nachgelassen hat auch die Nachfrage nach Impfungen. Versorgungsprobleme gibt es demzufolge kaum mehr. Wojcinski sagte dazu: «Wir haben in unserer Praxis Impfstoff übrig, weil nicht alle, denen eine Impfung emfohlen wurde, zum Impfen kamen.»
Ex-PEI-Chef Löwer zufolge wurden bislang «grob geschätzt» zwei Millionen Deutsche gegen die Schweinegrippe geimpft. Nebenwirkungen seien in 660 Fällen gemeldet worden.
Insgesamt seien seit dem ersten Auftauchen der Schweinegrippe in Deutschland rund 172 000 Infektionsfälle gemeldet worden, sagte Hacker. An der Krankheit gestorben sind mit Stand Dienstagnachmittag 66 Menschen. Die meisten der Opfer hatten Vorerkrankungen.

