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Warum ist Bewegung bei Diabetes mellitus wichtig?

1) Welcher Diabetes Typ?

Zu Beginn muss hier zwischen dem Typ-1-Diabetes, der durch einen absoluten Insulinmangel gekennzeichnet ist und dem Typ-2-Diabetes, bei dem zunächst eine Insulinresistenz mit einem relativen Insulinmangel vorliegt, unterschieden werden.

Typ-1-Diabetes

Dem Krankheitsbild entsprechend, steht hier nicht die Verbesserung der Insulinaufnahmefähigkeit der Körperzelle im Mittelpunkt, sondern die Stärkung der Motivation zu einer lebenslangen Insulinbehandlung. Insbesondere für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene stellt Sport eine geeignete Möglichkeit dar, das Selbstbewusstsein zu stärken und sich in der Gemeinschaft als gleichwertiges, leistungsfähiges und integriertes Mitglied zu fühlen.

Des Weiteren unterstützt der Sport die Selbstverantwortung, sich eigenständig und gewissenhaft um die Versorgung des Körpers mit Insulin zur Blutzuckerregulation zu kümmern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die verbesserte Stress- und Konfliktbewältigung durch Sport. Dies ist für Typ-1-Diabetiker wichtig, da die alltägliche Therapie im Besonderen Maße die Psyche beanspruchen kann. Unabhängig von Diabetes leben sportlich Aktive meist gesünder. Ihr Gesundheitsbewusstsein ist im Vergleich zu Inaktiven oft ausgeprägter, was sich in ihren Ernährungsgewohnheiten und der Bereitschaft zeigt, auf übermäßigen Alkohol- und Zigarettenkonsum zu verzichten.

Neben der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit wirkt körperliche Aktivität den Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen wie Übergewicht, Bluthochdruck sowie erhöhten Cholesterinwerten entgegen. Dies trifft natürlich auch auf Typ-2-Diabetiker zu.

Typ-2-Diabetes

Bewegung ist ein wichtiger Bestandteil der Therapie des Typ-2-Diabetikers. Grund dafür ist die positive Wirkung von körperlicher Aktivität auf den Zuckerhaushalt. Durch die Beanspruchung von Muskulatur werden die Körperzellen für Insulin empfindlicher. Somit kann die Zelle mit der gleichen Menge an Insulin mehr Glukose aus dem Blut aufnehmen. Dadurch wird der Blutzuckerspiegel verringert sowie die Insulinresistenz der Körperzellen durchbrochen. Die Bauchspeicheldrüse, welche das Insulin produziert wird demzufolge entlastet. Zudem verbessert Bewegung die allgemeine Leistungsfähigkeit, steigert das Wohlbefinden und erleichtert das Abnehmen.

Durch eine lebenslange und regelmäßige Bewegung ist selbst bei einer Veranlagung zum Typ-2-Diabetes die Wahrscheinlichkeit groß, nicht daran zu erkranken. Neben erblichen Faktoren ist für die Entstehung einer Diabetes meist der Bewegungsmangel, Übergewicht und Fehlernährung (zu viel, zu fettige und zu süße Ernährung) verantwortlich.

Diesbezüglich belegte eine Untersuchung (Diabetes Prevention Program 2002), dass sich durch eine intensive Lebensstiländerung im Sinne eines wöchentlichen Bewegungsumfangs von mehr als 2,5 Stunden in Kombination mit einer gesunden Ernährung das Neuauftreten eines Typ-2-Diabetes um 58 Prozent reduziert. Im Gegensatz dazu erniedrigte ein blutzuckerverringerndes Medikament (Metformin) das Erkrankungsrisko nur um 31 Prozent.

Bei bereits vorhandenem Typ-2-Diabetes konnten epidemiologische Studien zeigen, dass der Grossteil der Betroffenen von dem positiven Einfluss körperlicher Aktivität auf den Stoffwechsel profitiert. Dies gilt insbesondere für Personen die zuvor nicht körperlich aktiv waren. Häufig liegen zusätzlich zum Diabetes Typ-2 weitere Risikofaktoren für Herzkreislauferkrankungen vor.

Hier unterstützt körperliche Bewegung die Verbesserung des Fettstoffwechsels sowie die Reduktion von Übergewicht und erhöhten Blutdruckwerten. Zudem verbessert körperliche Aktivität die allgemeine Leistungsfähigkeit und steigert das Wohlbefinden.

2) Worauf sollte ich bei Bewegung und Training achten?

Grundsätzlich sollte sich jeder Diabetiker vor Aufnahme sportlicher Aktivitäten vom Facharzt untersuchen lassen. Insbesondere Typ-2-Diabetiker bei denen bereits Folgeerkrankungen bestehen können, sollten eine fachärztliche Untersuchung nicht auslassen. Ein diabetischer Fuß, Augenschädigungen, Bluthochdruck, Arteriosklerose sowie Nierenerkrankungen und eventuelle Herzkrankheiten u.a. schränken die Möglichkeiten der Bewegung ein, machen sie aber nicht generell unmöglich. In diesen Fällen sollte der Arzt aufgrund seines Befundes die Intensität und Dauer der körperlichen Belastung festlegen sowie die Wahl der Sportart mit dem Patienten besprechen.

Typ-1- und Typ-2-Diabetiker, die blutzuckersenkende Medikamente einnehmen oder Insulin spritzen, müssen ihre Therapie der körperlichen Aktivität anpassen. Folgende Punkte sind in der Regel in Absprache mit dem behandelnden Arzt zu berücksichtigen:

1. Antidiabetika/ Insulingaben reduzieren, indesondere an körperlich aktiven Tagen.

2. Kohlenhydratzufuhr steigern.

3. Ausreichend Flüssigkeit zuführen.

4. Blutzucker messen, vor dem Sport und in der Anfangsphase auch während der sportlichen Betätigung.

5. Eventuell Azeton messen.

6. SOS-Sportset (Notausrüstung) mitnehmen.

7. Bei unklarer Erschöpfung während des Sports immer an eine Unterzuckerung denken.

8. Bei einer Unterzuckerung Traubenzucker einnehmen und eine Pause einlegen, bis die Unterzuckerungssymptome abklingen (mindestens zehn Minuten).

9. Trainingspartner/ Trainer über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei Unterzuckerung informieren.

Diese wichtigen Punkte werden in Diabetes-Patientenschulungen ausführlich erläutert

3) Welche Übungen kann ich durchführen?

Generell muss die Bewegung bzw. der Sport Spaß machen, damit das Ziel der lebenslangen Beibehaltung auch umgesetzt werden kann.

Für Typ-1-Diabetiker ist zunächst, wie für den „Stoffwechselgesunden“, jede Sportart geeignet. Die Ausübung von Extremsportarten setzt allerdings aufgrund der erhöhten Gefahr einer lebensgefährlichen Unterzuckerung eine vernünftige Vorbereitung voraus.

Da vom Typ-2-Diabetes überwiegend ältere und übergewichtige Menschen betroffen sind, eignen sich gelenkschonende Belastungsformen wie Walking, Wandern, Nordic-Walking, Fahrradfahren, Schwimmen, Gymnastik und Tanzen. Auch ein moderates Krafttraining wirkt positiv auf einen erhöhten Blutzucker. Zusätzlich sollte großer Wert auf die Steigerung der Alltagsaktivitäten gelegt werden, wie Treppensteigen und vermehrte Erledigungen zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

In Deutschland haben sich mittlerweile viele Bewegungsgruppen für Typ-2-Diabetiker etabliert. Unter fachkompetenter Leitung und teilweise unter ärztlicher Aufsicht kann gemeinsam mit Gleichgesinnten die eigene Leistungsfähigkeit für Beruf, Freizeit und Alltag verbessert und langfristig beibehalten werden.

Nationale sowie internationale Fachverbände raten zu einer moderaten Intensität über mindestens 30 Minuten an wenigstens drei Tagen, besser an allen Tagen der Woche. Eine moderate Intensität bedeutet, dass während der Belastung, die als „etwas anstrengend“ empfunden werden sollte, noch eine Unterhaltung möglich ist. Des Weiteren sollte das Körpergefühl nach Beendigung der körperlichen Betätigung  so sein, als könne man noch eine halbe Stunde weitermachen.

4) Wohin kann ich mich für weitere Informationen wenden?

Alleine im Internet finden sich bei der Eingabe von „Diabetes“ über 170 Mio Suchergebnisse. Bei „Diabetes und Sport“ sind es immer noch knapp 7 Mio Einträge.
Diese Informationsflut führt oft zu einer zusätzlichen Verunsicherung und Verwirrung. Dennoch gibt es inzwischen gute Möglichkeiten, sich ausführlich, gezielt und adäquat zu informieren.

Die Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Sport der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG) bietet mit ihrem interdisziplinären Team, bestehend aus Ärzten, Übungsleitern und Angehörigen von Beratungsberufen eine sehr gute Informationsplattform (www.diabetes-sport.de) und (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de).
Mit über 40.000 Mitgliedern ist der Deutsche Diabetikerbund die größte und wichtigste Selbsthilfeorganisation für Diabetiker in Deutschland (www.diabetikerbund.de).

Die International Diabetes Federation IDF bietet umfassende Informationen zum Thema Diabetes für Laien und Ärzte. Internationale Fragen und Belange stehen hier im Vordergrund (www.idf.org/home).

Darüber hinaus findet man auf der Seite der International Diabetic Athletes Association (IDAA), der internationalen Vereinigung sporttreibender Diabetiker Informationen zu verschiedenen Sportarten und Kontaktadressen zu IDAA Deutschland (www.idaa.de).

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