Pflege

Ambulante Pflege

Dr. med. Katharina Larisch

Manche Menschen sind körperlich oder psychisch nicht mehr in der Lage, ihren Alltag allein zu bewältigen. Das reicht vom Putzen, Waschen, Kochen über das Einkaufen bis hin zur Körperpflege. Im Grunde kann die Pflegebedürftigkeit jeden Menschen treffen - zu jeder Zeit. Bei den meisten Betroffenen steht es ganz oben auf der Wunschliste, weiterhin ein möglichst selbstbestimmtes, unabhängiges Leben zu führen - trotz der Notwendigkeit, Hilfe von anderen anzunehmen.

Pflegende Angehörige bzw. ein ambulanter Pflegedienst können hier Unterstützung bieten und ein Leben in den „eigenen vier Wänden“ ermöglichen. Um dem Betroffenen menschenwürdige Lebensbedingungen zu bieten, müssen alle Beteiligten gut zusammenarbeiten: Ärzte, Angehörige und der Pflegedienst.

Neben der fachlichen Kompetenz der Pfleger geht es dabei auch um Menschlichkeit- also ein offenes Ohr für die Sorgen, Nöte und Wünsche des Pflegebedürftigen zu haben.

Ende 2009 arbeiteten in Deutschland laut Angaben des Statistischen Bundesamtes rund 890.000 Personen in der Altenpflege, davon rund 30 Prozent (269.000) bei ambulanten Pflegediensten. Zwischen 1999 und 2009 ist die Zahl der bei ambulanten Pflegediensten Beschäftigten um rund 46 Prozent (plus 85.000) gestiegen. Angesichts des demografischen Wandels mit immer mehr Pflegebedürftigen nimmt die Bedeutung der ambulanten Pflegedienste immer mehr zu.

Der richtige Pflegedienst

Bei der Auswahl des Pflegedienstes in Ihrer Nähe sollten sie bestimmte Qualitätskriterien beachten. Die Betreiber der Pflegedienste müssen Mitglied eines Berufsverbandes sein und qualifiziertes Personal beschäftigen. Dazu gehören Krankenschwestern und -pfleger, staatlich geprüfte Altenpfleger, examinierte Krankenpflegehelfer, ausgebildete Pflegehelfer aber auch Hauswirtschaftskräfte. Damit die Pflegekasse die Kosten übernimmt, muss der Pflegedienst zuvor einen Vertrag mit ihr abgeschlossen haben, der die Leistungen regelt.

Die Pflege eines Menschen ist eine sehr intime Situation. Daher ist es entscheidend, dass sich der Pflegbedürftige gut aufgehoben fühlt. Während des „Vorstellungsgespräches“ sollte neben dem pflegebedürftigen Menschen unbedingt auch ein Angehöriger oder eine Person seines Vertrauens, die sich bisher um den Pflegebedürftigen gekümmert hat, anwesend sein. Achten Sie während des Erstgesprächs beispielsweise darauf, ob die Mitarbeiter auf Fragen und Wünsche eingehen.

Bei der Suche stehen Ihnen der DKV Gesundheitsservice und lokale Beratungsstellen zur Verfügung.

 

Was leisten Pflegekräfte?

Die Arbeit der ambulanten Pflegedienste umfasst die Grund- und Behandlungspflege. Im Rahmen der Grundpflege hilft die Pflegekraft beim Duschen und Baden, bei der Zahnpflege, dem Kämmen und Rasieren. Sie bereitet die Nahrung mundgerecht zu und hilft dem Pflegebedürftigen beim Essen und Trinken. Außerdem unterstützt der Helfer den Pflegebedürftigen dabei, möglichst mobil zu bleiben. Er hilft beim Gehen und Stehen, Aufstehen und Zu-Bett-Gehen und begleitet den Pflegbedürftigen auf kürzeren Wegen.

Zu dieser Grundpflege kommt die hauswirtschaftliche Unterstützung. Die Pflegekraft kauft ein, kocht und spült das Geschirr, wechselt und wäscht die Wäsche. Welche Leistungen er in Anspruch nehmen möchte, sollte der Pflegebedürftige selbst entscheiden.

Im Rahmen der Behandlungspflege bieten die ambulanten Pflegedienste auch medizinische Leistungen nach Anordnung des Arztes an: Sie wechseln Verbände, messen den Blutdruck und Blutzucker der Pflegebedürftigen oder geben Spritzen.

Wichtig ist auch das Gespräch zwischen Pflegekraft und Hilfsbedürftigem. Die Pflegenden sollten wissen, welche Sorgen der Betroffene hat und wie Sie ihm jenseits aller medizinischen Unterstützung helfen können. Denn ein Mensch braucht auch menschliche Zuwendung und Wärme, nicht nur die biologisch lebensnotwendigen Dinge wie Essen oder Trinken.

 

Pflegende Angehörige

Auch die Angehörigen können die ambulante Pflege übernehmen. Grundsätzlich kann jeder, der sich körperlich und psychisch dazu in der Lage fühlt, eine andere Person pflegen. Voraussetzung ist allerdings, dass die Erkrankung bzw. Einschränkung der pflegebedürftigen Person keine ausschließlich professionelle Pflege notwendig macht.

Bevor ein Angehöriger sich entscheidet, einen kranken Menschen zu pflegen, sollte er sich folgende Fragen beantworten:

  • Wie ist die Beziehung zu dem Pflegebedürftigen? Hält sie der Belastung der neuen Situation stand?
  • Entscheidet er sich selbst für die Pflege oder fühlt er sich durch äußere Umstände zu dem Hilfsangebot verpflichtet?
  • Gibt es Menschen, die den Angehörigen unterstützen, falls es zu Problemen kommt?

Bei der Organisation der ambulanten Pflege haben die Betroffenen und ihre Angehörigen verschiedene Möglichkeiten:

Pflegen die Angehörigen selbst, haben sie Anspruch auf Pflegegeld und eine soziale Absicherung durch die gesetzliche Pflegeversicherung (Unfallversicherung, Beitrag zur Rentenversicherung). Voraussetzung dafür ist, dass die Pflegeperson nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich erwerbstätig ist und die Pflege an mindestens 14 Stunden pro Woche durchführt. Das Pflegegeld wird direkt an die Versicherten ausgezahlt.

Alternativ zum Pflegegeld kann man von der Pflegeversicherung auch Sachleistungen beziehen. Bezahlt werden damit die Dienstleistungen ambulanter Pflegedienste oder professioneller Pflegeeinrichtungen.

Als dritte Möglichkeit gibt es die Kombinationsleistung. Ein Pflegebedürftiger nimmt Sachleistungen in Anspruch, schöpft aber sein Budget nicht aus, In diesem Fall kann zusätzlich Pflegegeld gezahlt werden. Die Höhe des Pflegegeldes richtet sich nach dem verbleibenden Budget. Bleiben beispielsweise nach Abrechnung der Sachleistungen noch 20 Prozent des festgesetzten Betrages übrig, können 20 Prozent des Pflegegeldes an die Versicherten ausbezahlt werden.

Pflegende Angehörige können sich in der Pflege schulen lassen. Dazu stehen Ihnen beispielsweise  Pflegeschulungen oder qualifizierter Pflegedienste zur Verfügung.

Die Kosten für einen Pflegekurs und die individuelle Anleitung werden meist direkt von der gesetzlichen Pflegeversicherung übernommen. Informieren Sie sich am besten direkt dort.

Pflegende Angehörige haben zudem Anspruch auf eine Pflegezeit von bis zu sechs Monaten, in der sie kein Gehalt erhalten, aber sozialversichert bleiben. Die Rückkehr zum Arbeitgeber ist garantiert. In der Regel bleiben die pflegenden für diese Zeit über die Pflegekasse rentenversichert. Der Anspruch aus der Arbeitslosenversicherung bleibt erhalten. Die Pflegekasse übernimmt, falls nötig, die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bis zur Höhe des Mindestbeitrags.

Wird ein Angehöriger plötzlich zum Pflegefall, können Beschäftigte kurzfristig für bis zu zehn Tage der Arbeit fern bleiben. In dieser Zeit können sie die Pflege sicherstellen oder eine bedarfsgerechte Pflege organisieren.

 

Hilfsmittel und Anpassung der Wohnung

Pflegebedürftige sind oft auf eine Reihe von Hilfsmitteln angewiesen, die ihnen das Leben zu Hause erleichtern. Dazu gehören unter anderem:

  • Rollstühle, Geh- und Sitzhilfen
  • Bad- und WC-Hilfen, vor allem Haltegriffe an gefährlichen Stellen
  • Treppenlifte
  • Lifter für die Badewanne,
  • Spezielle Betten und -spezielles Bettzubehör
  • Hilfsmittel bei Inkontinenz
  • Verband- und Pflegematerial

Die Anpassung der Wohnung ist bei pflegebedürftigen Menschen häufig notwendig - leider aber meist teuer. Die Pflegeversicherung kann für notwendige Umbaumaßnahmen finanzielle Zuschüsse gewähren. Diese sollten aber unbedingt vor der Umsetzung der Maßnahme beantragt werden.

Gesetzliche Kassen übernehmen bei den Hilfsmitteln seit der Gesundheitsreform 2004 nur noch Zuschüsse bzw. Festbeträge. Die Patienten müssen sich finanziell stärker an den Kosten beteiligen. Ein Beispiel sind Standardrollstühle. Solche, die an das spezielle Gebrechen individuell angepasst sind und orthopädische Folgen der Rollstuhlpflichtigkeit verhindern können, werden häufig von den gesetzlichen Krankenkassen nicht voll finanziert.

In der privaten Krankenversicherung ist die Erstattung vom individuellen Versicherungumfang abhängig. Es empfiehlt sich auf jeden Fall die Kostenübernahme im Vorhinein mit der Versicherung zu klären.

 

Die drei Pflegestufen

Wie hoch der Kostenbeitrag der Pflegeversicherung ist, hängt von der jeweiligen Pflegestufe ab. Dazu kommt ein Gutachter vom Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder Ihrer privaten Krankenversicherung (MDP) zu einem vereinbarten Termin ins Haus. Von seiner Empfehlung hängt in der Regel ab, welche Pflegestufe die Kasse bewilligt.

Um die Pflegebedürftigkeit besser belegen zu können, ist es sinnvoll, in der Zeit vor dem Hausbesuch eine Art Pflegetagebuch zu führen. Darin sollten Sie notieren, bei welchen Tätigkeiten der Pflegebedürftige Hilfe braucht, wie viel Zeit dafür aufgewendet werden muss und wie häufig die Hilfestellungen nötig sind. Ein entsprechendes Mustertagebuch kann in der Regel von der Pflegeversicherung zur Verfügung gestellt werden.

Insgesamt gibt es drei Pflegestufen:

  • Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Stufe I)
    Erheblich pflegebedürftig ist jemand, der neben der hauswirtschaftlichen Versorgung bei der Pflege einmal täglich für mindestens 90 Minuten fremder Hilfe bedarf. Davon müssen mehr als 45 Minuten für die Grundpflege benötigt werden. Zur Grundpflege gehören Hilfen bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität.  
  • Schwerpflegebedürftigkeit (Stufe II)
    Schwer pflegebedürftig ist jemand, der mindestens drei Mal täglich zu verschiedenen Tageszeiten für insgesamt wenigstens drei Stunden Hilfe braucht. Mindestens zwei Stunden davon müssen für die Grundpflege benötigt werden.
  • Schwerstpflegebedürftigkeit (Stufe III)
    Schwerstpflegebedürftig ist jemand, der rund um die Uhr und auch nachts Unterstützung benötigt. Durchschnittlich müssen mindestens fünf Stunden täglicher Hilfebedarf erreicht werden. Davon müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen.
  • Härtefall
    Übersteigt die geleistete Pflege deutlich die Voraussetzungen der Pflegestufe III, kann eine Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. Eine Härtefallregelung kommt in Betracht, wenn die Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (Grundpflege) täglich durchschnittlich sieben Stunden erfordert. Zwei dieser sieben Stunden müssen auf die Nacht entfallen. Eine Härtefallregelung greift auch, wenn nachts regelmäßig zwei Pflegepersonen gleichzeitig benötigt werden.

 

Antrag stellen

Sobald sich abzeichnet, dass Sie oder ein Angehöriger Pflege benötigen, sollten Sie möglichst schnell einen formlosen Antrag auf Pflegebedarf stellen. Alle anfallenden Kosten, auch rückwirkende werden erst ab dem Zeitpunkt erstattet, zu dem der Antrag bei der Kasse eingeht.

Datum: 24. Januar 2011

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