Zähne

Karies

Beschreibung

Dr. med. dent. Susanne Schorr und Dr. med. dent. Alexander Merian

Karies (lat. Morschheit, Fäulnis) ist eine Erkrankung, bei der Bakterien nach und nach die Zahnhartsubstanzen (Zahnschmelz und Dentin) erweichen und zerstören. Ein Zahn ist folgendermaßen aufgebaut: Die äußerste Schicht wird vom Zahnschmelz gebildet. Darunter folgt das Dentin, das den Zahnnerven umgibt. Der Zahnschmelz, die äußerste Schicht, ist extrem hart und besteht fast ausschließlich aus Mineralien (u.a. Kalzium, Phosphor, Magnesium). Den größten Teil des Zahns macht das Zahnbein (Dentin) aus, das knochenähnlich und wesentlich weicher ist. Das Dentin wiederum umschließt das empfindliche Zahnmark (Pulpa und Nerv) im Zahninneren, in dem auch Blutgefäße und Nerven liegen

Karies gehört zu den häufigsten und am weitesten verbreiteten Infektionskrankheiten in den Industrieländern. Bei jedem Deutschen im Alter zwischen 35 und 44 Jahren seien statistisch gesehen 16 Zähne entweder kariös, hätten eine Füllung oder mussten wegen Karies bereits gezogen werden wie eine Untersuchung der Gesundheitsberichterstattung des Bundes zeigt. Glücklicherweise belegen aber auch neueste Studien zur Mundgesundheit, dass kariöse Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen stark rückläufig sind.

Die Ausbreitung von Karies im Zahn selber verläuft unterschiedlich schnell. Im Zahnschmelz schreitet Karies nur langsam fort, im Dentin wird der Schaden allerdings schnell größer und betrifft schließlich auch die Pulpa.

 

Ursachen

Bei der Entstehung von Karies spielen mehrere Faktoren eine Rolle. Einer davon sind Bakterien, vor allem Streptococcus mutans. Diese Mikroorganismen sind in jeder Mundhöhle vorhanden und an sich auch unschädlich. Sie bilden einen Biofilm (Plaque, bakterieller Zahnbelag) auf den Zahnoberflächen. Ein weiterer Faktor ist der Konsum von Kohlenhydraten, vor allem Zucker. Prinzipiell kann jedes Nahrungsmittel, das eine bestimmte Zuckerkonzentration enthält, Karies verursachen, wenn Plaque vorhanden ist. Entscheidend ist auch nicht die Menge an aufgenommenem Zucker, sondern die Häufigkeit des Verzehrs! Die Bakterien verwandeln den Zucker in organische Säuren (v.a. Milchsäure). Wirken diese lange genug ein, entmineralisieren sie die Zahnhartsubstanzen.

Ein Zahn ist besonders  kariesanfällig, wenn er zu wenig Fluor enthält oder ausgeprägte Vertiefungen, Rillen und Ritzen vorhanden sind, in denen sich die Plaque festsetzen kann. Solche anfälligen Stellen finden sich hauptsächlich in Form von Fissuren auf der Oberfläche von Backenzähnen. Plaque kann durch regelmäßige und gründliche Mundhygiene entfernt werden. Bei schlechter Mundhygiene  beschleunigt sich der Prozess der Kariesentstehung. Auch die Zahnstellung, Zahnfehlbildungen, erbliche Faktoren, Speichelfluss und -zusammensetzung sowie die Art der Ernährung können zur Kariesentstehung beitragen.

Karies ist eine Infektionskrankheit, Eltern können ihre Kinder mit den Streptokokken anstecken, zum Beispiel durch Küssen, gemeinsam benutztes Essbesteck oder wenn eine Mutter den Schnuller bzw. Sauger der Trinkflasche ableckt und ihn anschießend in den Babymund steckt. Die Bakterien vermehren sich im Mund des Kindes, Karies kann sich deshalb schon bei den Milchzähnen bilden. Eltern (v.a. Mütter) sollten vor einer geplanten Schwangerschaft ihre Zähne sanieren lassen. Dennoch lässt sich eine Infektion mit Kariesbakterien praktisch nicht vermeiden. Die Mundhöhle ist niemals steril und frei von Keimen, sondern im Laufe des Lebens bildet sich bei jedem Menschen eine Bakterienflora aus, die zu Karies führen kann. Die wichtigste Rolle bei der Verhinderung von Karies ist eine zuckerarme Ernährung und eine gründliche Zahnpflege.

Symptome

Karies verursacht über lange Zeit keine Schmerzen. Die Vorstufen von Karies sind zunächst als kleine weiße Flecken erkennbar – hier lösen die Bakterien das Kalzium aus dem Zahnschmelz. Der Fachmann spricht auch von Entkalkungen. Weitere Anzeichen sind dunkle Verfärbungen durch Farbstoffe, die sich in der erkrankten Zahnsubstanz festsetzen. Karies löst die Zahnhartsubstanz langsam auf und erweicht sie; deshalb kann es in fortgeschrittenem Stadium zu einem Zahnabbruch kommen. Auch lockere oder ausgefallene Füllungen können ein Hinweis auf Karies sein. Löcher im Zahnschmelz verursachen meist noch keine Schmerzen, wohl aber, wenn die Karies das Dentin erreicht hat.

Schreitet Karies voran, verspürt der Betroffene gelegentliche oder dauerhafte Schmerzen. Die Zähne können außerdem extrem empfindlich auf süße, heiße oder kalte Speisen reagieren. Meist dauert es aber sehr lange, bis sich die ersten schmerzhaften Symptome zeigen. Greift die Karies auf die Pulpa über, schmerzt der Zahn dauerhaft, also auch wenn der Reiz weg ist oder überhaupt keiner einwirkt. Wenn heftige Schmerzen kommen und gehen, kann eine Wurzelkanalbehandlung bereits unvermeidbar sein. Bei einer Wurzelbehandlung wird der entzündete Zahnnerv entfernt und durch eine dichte Wurzelfüllung ersetzt. Strahlen die Schmerzen in Richtung Auge und Schläfe aus, ist ein Oberkieferzahn betroffen. Bei einem Unterkieferzahn strahlt der Schmerz meistens in Richtung Ohr.

Dringen die Bakterien in die Pulpa ein, kann sich diese entzünden. Der darin liegende Nerv eitert und stirbt ab. Da die Fäulnisbakterien im harten Zahnmaterial keinen anderen Ausweg finden, treten sie über den Wurzelkanal in Richtung Kieferknochen aus und infizieren diesen. Beim Kauen oder Drücken gegen den Zahn treten Schmerzen auf. Sammelt sich immer mehr Eiter, schwillt auch das Zahnfleisch an. Hier kann die „dicke Backe“ entstehen. Der Eiter kann sich im Kiefer verteilen, das Gewebe entzünden und in den Mund oder sogar durch die Haut abfließen.

 

Diagnose

Die Diagnose Karies lässt sich oft schon beim ersten Blick in den Mund stellen. Zahnärzte fragen nach Schmerzen, begutachten die Zähne, suchen mit spitzen Instrumenten und manchmal auch mittels Laserdiagnostik (Laserdiagnosegerät) nach weichen, empfindlichen Stellen und machen Röntgenaufnahmen - wenn nötig. Sie sollten Ihre Zähne etwa alle sechs Monate kontrollieren lassen. Dies ist wichtig, damit eine Karies möglichst frühzeitig entdeckt wird und sich nicht ungehindert ausbreiten kann. Alle zwei bis fünf Jahre (je nach Zustand des Gebisses) ist es ratsam, die Backenzähne röntgen zu lassen (zwei kleine Zielaufnahmen, wo jeweils acht Zähne sehr exakt zu sehen sind). Damit lässt sich auch Zahnzwischenraumkaries und Karies unter Füllungen sowie unter Kronenrändern deutlich erkennen. Dies ist besonders wichtig, wenn die Karies versteckt liegt und mit bloßem Auge nicht zu sehen ist. Nur so lassen sich mögliche Schäden frühzeitig aufdecken und behandeln. Je früher Karies diagnostiziert wird, desto größer sind auch die Chancen, dass die Pulpa noch nicht angegriffen ist und der Zahn erhalten werden kann. Karies ist eine chronische Erkrankung, welche die meisten Menschen ein Leben lang haben. Nur wenn Sie genau darüber Bescheid wissen, können Sie große Schäden wie Zahnschmerzen oder Zahnverlust vermeiden. Fragen Sie Ihren Zahnarzt, wenn Sie etwas nicht verstehen, und lassen Sie sich beraten.

Datum: 30. Juli 2008

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