Gesundheit

Herzinsuffizienz und Sport

Hintergrund

Von Herzinsuffizienz bzw. Myokard-Insuffizienz oder Herzmuskelschwäche spricht man, wenn das Herz nicht mehr in der Lage ist, den Körper mit genügend Blut und somit Sauerstoff zu versorgen. Die Hauptursachen einer Herzinsuffizienz sind Arteriosklerose der Herzkranzgefäße und Bluthochdruck.

Weitere Ursachen sind Erkrankungen der Herzmuskulatur, Herzrhythmusstörungen oder Herzklappenfehler. Typischerweise sind Patienten mit einer Herzinsuffizienz in ihrer körperlichen Leistungsfähigkeit je nach Ausmaß ihrer Erkrankung mehr oder weniger stark eingeschränkt. Während für die einen schon geringe körperliche Belastungen zu Erschöpfung und Atemnot führen, können andere auch noch längere Spaziergänge mühelos bewältigen.

Grundsätzlich wird die Herzinsuffizienz nach den Richtlinien der New York Heart Association in vier sogenannte NYHA-Stadien eingeteilt:

Früher galt die These, ein geschwächtes Herz solle nicht durch zusätzliche körperliche Anstrengung belastet werden, da der Herzmuskel sonst weiter geschädigt würde. Es zeigte sich jedoch, dass übermäßige Schonung und Bettruhe die Symptomatik noch mehr verstärkt und darüber hinaus noch zu Komplikationen wie Thrombose und Muskelabbau führen kann. Heute ist es jedoch belegt, dass Patienten, deren Herzinsuffizienz medikamentös stabil eingestellt ist, von körperlicher Aktivität profitieren. Regelmäßiges Training stärkt den Herzmuskel und führt zu einer Senkung der Herzfrequenz (Anzahl der Herzschläge) in Ruhe. Dadurch wird das Herz enorm entlastet. Gleichzeitig wird die Sauerstoffaufnahme und die Durchblutung verbessert und dem Muskelabbau aufgrund mangelnder Bewegung entgegengewirkt. Eine gut ausgebildete Skelettmuskulatur führt zusätzlich zu einer Entlastung der Herzarbeit. Auch die Gewichtsabnahme wird durch vermehrte Bewegung zusätzlich unterstützt. Langfristig  können sich bestenfalls sogar ein Rückgang des krankhaft vergrößerten Herzens, eine Verbesserung der Herzkraft und eine geringere Beschwerdesymptomatik einstellen. Eine aktuelle Analyse mehrerer Studien konnte zusätzlich eine Abnahme der Sterblichkeit nachweisen.

Worauf sollte geachtet werden?

Ein Training ist grundsätzlich für Patienten mit einer sogenannten kompensierten Herzinsuffizienz (NYHA-Stadien II bis III) möglich. Eine dekompensierte Herzinsuffizienz (NYHA-Stadium IV) sollte zunächst medikamentös stabilisiert werden.

Empfehlenswert ist ein moderates, individuell angepasstes Übungsprogramm, das mit dem Arzt vorher abgestimmt werden sollte. Er kennt aufgrund seiner Untersuchungsbefunde das Ausmaß der Herzschwäche und kann daraufhin die individuellen Belastungsgrenzen festlegen.. Weitere Voraussetzungen für ein Training sind eine optimale medikamentöse Einstellung und ein längerfristig anhaltender stabiler Zustand. Bei Sporteinsteigern und Patienten empfiehlt sich der Trainingsbeginn unter stationären Bedingungen. Die individuelle Belastbarkeit und eine Ableitung möglicher Trainingsempfehlungen können mit Hilfe einer (Spiro-)Ergometrie erfolgen.  Bereits Bewegung – ohne starke körperliche Belastung – kann zum allgemeinen Wohlbefinden und Erleichterung im Alltag beitragen.

Wie soll trainiert werden?

Für Herzinsuffizienz-Erkrankte sind Aktivitäten ideal, bei denen viel Bewegung mit geringem Kraftaufwand möglich ist. Besonders empfehlenswert sind Spazierengehen, Wandern, Walking, Radfahren und Skilanglauf . In der Regel beginnt der Patient ein mehrminütiges moderates Ausdauertraining auf dem Fahrradergometer bei sehr niedrigen Intensität (40 bis 50 Prozent seiner maximalen Sauerstoffaufnahme, bestimmt durch eine Spiroergometrie). Wenn dies gut toleriert wird, kann eine langsame Steigerung über Wochen bis zu 80 Prozent der maximalen Sauerstoffaufnahme und einer Dauer von 30 Minuten erfolgen. Der Patient sollte die Belastung als „leicht“ bis „etwas stärker“ empfinden. Wenn möglich, sollte eine ärztliche Überwachung mit parallel abgeleitetem EKG und Blutdruck erfolgen.

Eine Alternative für schlecht belastbare Patienten stellt das so genannte Intervalltraining dar. Dabei handelt es sich um einen Wechsel von Belastung (etwa 20 Sekunden) und Entlastung (etwa 40 Sekunden). So kann ein Effekt auf die periphere Muskulatur erzielt werden, ohne das Herz zu sehr zu belasten.

Inwieweit ein individuell angepasstes Krafttraining für herzinsuffiziente Patienten geeignet ist, kann aktuell noch nicht abschließend gesagt werden. Es sollte daher nur unter streng kontrollierten Bedingungen stattfinden.
Wer nicht alleine körperlich aktiv sein möchte, hat die Möglichkeit sich einer Herzsportgruppe anzuschließen. Speziell ausgebildete Trainer und Ärzte leiten eine solche Gruppe, die sich üblicherweise einmal wöchentlich trifft. In Herzsportgruppen werden auch üblicherweise der Puls und der Blutdruck während des Trainings kontrolliert.

Vorsicht

Kraftanstrengungen wie beispielsweise Liegestützen, Kniebeugen oder gar Body-Biulding sollten grundsätzlich wegen der bestehenden Gefahr durch Pressatmung vermieden werden. Wenn während des Trainings Beschwerden wie z.B. Schwindel, Kurzatmigkeit, Herzrhythmsstörungen auftreten, muss die jeweilige Übung und/oder das gesamte Training sofort beendet werden. Leichte Schwindelzustände nach Bewegung müssen nichts ernsthaftes bedeuten, insbesondere wenn sie schnell wieder abklingen. Im Zweifelsfall oder auch bei stärkeren Schwindelzuständen sollte nochmals eine gründliche ärztliche Untersuchung erfolgen.

Was kann sonst noch getan werden?

Wenn ein kontrolliertes Training unter ärztlicher Überwachung gut vertragen wird, können auch Alltags- und Freizeitaktivitäten ausgeweitet werden, z.B. Spazieren gehen und/oder Radfahren in der Ebene bis hin zu einem Ergometertraining zu Hause. Möglicherweise empfiehlt sich die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe zur konsequenteren Durchführung eines Trainings. Jede geplante Änderung hinsichtlich der körperlichen Aktivität sollte jedoch mit dem behandelnden Hausarzt und/oder Kardiologen abgesprochen werden.

Weitere Tipps

Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie auf den Internetauftritten der Deutschen Gesellschaft für Sportmedizin und Prävention und der Deutschen Gesellschaft für Prävention und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.

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