Gesundheit

Koronare Herzkrankheit (KHK) und Sport

1) Warum ist Bewegung bei koronarer Herzkrankheit  wichtig?

Der gezielte Einsatz von körperlicher Aktivität und Sport im Sinne einer Bewegungstherapie bei der koronaren Herzkrankheit (KHK) geht mit einer beeindruckenden Fülle gesundheitlicher Nutzeffekte einher. Folgende Ziele stehen dabei im Vordergrund:

1. Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit
2. Ökonomisierung der Herzkreislauftätigkeit
3. Abbau von Risikofaktoren
4. Positive Einflussnahme auf den Krankheitsverlauf der koronaren Herzkrankheit

Steigerung der körperlichen Leistungsfähigkeit und Belastbarkeit

Im Zuge der koronaren Herzerkrankung, insbesondere wenn ein Herzinfarkt hinzukommt, nimmt die körperliche Leistungsfähigkeit bei vielen Patienten deutlich ab. Ziel der Bewegungstherapie stellt daher die Wiederherstellung der verminderten Leistungsfähigkeit dar. Viele Patienten, auch jene, die vor einem Infarkt oder einer Katheterdilatation bzw. Bypassoperation nie sportlich aktiv waren, können auf diese Weise ihre Leistungsfähigkeit wesentlich steigern.

Ökonomisierung der Herzkreislauftätigkeit

Als Folge der Bewegungstherapie kommt es trainingsbedingt zu einer Reihe von günstigen Anpassungseffekten des Herzkreislaufsystems. Als Resultat der o. g. Anpassungseffekte zeigt sich, bei gleicher Belastung, eine Senkung der Herzfrequenz. Gleichzeitig wird die Belastung, ab der Herzbeschwerden eintreten, angehoben (Angina Pectoris- Schwelle).

Abbau von Risikofaktoren

Regelmäßige körperliche Aktivität im Rahmen der koronaren Herzerkrankung führt zu einem gezielten Abbau von Risikofaktoren für diese Erkrankung. Besonders hervorzuheben sind die Effekte auf den Blutdruck, das Blutfettprofil sowie den Blutzuckerstoffwechsel.

Positive Einflussnahme auf den Krankheitsverlauf der koronaren Herzkrankheit

Eine Vielzahl neuerer Untersuchungen konnten eindrucksvoll belegen, dass durch regelmäßigen Koronarsport das Voranschreiten der koronaren Herzerkrankung deutlich vermindert, oder sogar eine Rückbildung von atherosklerotischen Veränderungen der Herzkranzarterien erzielt werden kann. Zusammen mit der Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit sowie der Ökonomisierung der Herzkreislauftätigkeit ist auf diese Weise ein erheblicher gesundheitlicher Nutzeffekt erzielbar.

So konnten die vorliegenden Untersuchungen zeigen, dass die Gefahr eines erneuten Herzinfarktes bzw. eines Schlaganfalles sowie das Risiko von gefährlichen Herzrhythmusstörungen bis hin zum Sterblichkeitsrisiko durch regelmäßige Teilnahme am Koronarsport wesentlich gesenkt werden können.

Neben diesen gesundheitlichen Effekten gibt es eine Reihe von sogenannten psychosozialen Effekten, die zu einer deutlichen Verbesserung der Lebensqualität aber auch des weiteren Krankheitsverlaufes beitragen können. So bringt Bewegungstherapie, die vor allem im Rahmen einer sogenannten Herzsportgruppe ausgeführt wird, eine Reihe positiver psychosozialer Effekte mit sich.

Durch die Erfahrung einer verbesserten Belastbarkeit gewinnt der Patient neues Vertrauen in seine körperliche Leistungsfähigkeit. Die Gruppe hilft in der Verarbeitung krankheitsbedingter psychischer Probleme, wirkt einer Vereinsamung, insbesondere bei krankheitsbedingter Berufsunfähigkeit, entgegen.

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass durch regelmäßig durchgeführte Bewegungstherapie bei koronarer Herzkrankheit signifikante gesundheitliche Nutzeffekte erzielbar sind. Bezüglich der Situation nach einem Herzinfarkt liegen für die sogenannten ambulanten Herzsportgruppen eindrucksvolle Ergebnisse vor. So wurde in den Trainingsgruppen die Gesamtsterblichkeit um 20 Prozent, die Herzkreislaufsterblichkeit um 22 Prozent und die Zahl der tödlichen Zweitinfarkte um 25 Proznet vermindert. Der plötzliche Herztod nahm sogar um 37 Prozent ab.

2) Welche Übungen kann ich durchführen?

Die Durchführung der Bewegungstherapie bei der KHK hängt von der Schwere der Erkrankung, dem individuellen Krankheitsstadium sowie der individuellen Belastbarkeit ab. Unmittelbar nach einem Herzinfarkt wird Bewegungstherapie als krankengymnastische Einzelbehandlung, und im weiteren Verlauf zumeist in Rehabilitationszentren durchgeführt.

Die Behandlung erfolgt hier häufig in Form eines Ergometertrainings. Anschließend sollte die Bewegungstherapie im Rahmen einer ambulanten wohnortnahen Herzgruppe als Bewegungs- und Sporttherapie konsequent fortgeführt werden. Bei der praktischen Durchführung des sogenannten Koronarsports ist zu berücksichtigen, dass keineswegs nur das Herzkreislaufsystem, sondern die gesamte Motorik sowie die Psyche umfassend positiv beeinflusst werden sollte.

Zum Einsatz kommen neben dosierten Ausdauerbelastungen verschiedene Formen von Gymnastik sowie spielerische Elemente. Die ausdauerorientierten sportlichen Aktivitäten haben primär zum Ziel die Herzkreislauftätigkeit zu ökonomisieren und die Risikofaktoren positiv zu beeinflussen.

In einer gezielten Kräftigungsgymnastik sollen Koordination, Beweglichkeit sowie die Kraft besonders trainiert werden. Die Ausdauerbelastung wird dosiert und kontrolliert durchgeführt, wobei sich als geeignete Formen insbesondere das schnelle Gehen sowie das Laufen durchgesetzt haben. Beide Bewegungsformen lassen sich mit einem geringen technischen Aufwand ohne besondere Anforderungen an die Infrastruktur ausführen.

Bei den spielerischen Elementen stehen die Motivation der Patienten sowie die günstigen psychosoziale Effekte im Vordergrund. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist das Aufzeigen von Möglichkeiten, um den psychischen Alltagsstress abzubauen. Jedoch müssen gerade beim Spiel Überforderungen vermieden werden. Bewährt haben sich hier insbesondere Mannschaftsrückschlagspiele sowie das Volleyballspiel, aber auch Fußball und Tennis.

Organisatorisch sollte das bewegungstherapeutische Programm am besten drei mal pro Woche angeboten werden, da auf diese Weise ein optimaler Trainingseffekt gewährleistet werden kann. Aber auch ein ein- bzw. zweimaliges Angebot hat eine erhebliche gesundheitliche Bedeutung, sollte jedoch durch Eigenaktivitäten der Patienten ergänzt werden.

3) Worauf sollte ich bei Bewegung und Training achten?

Grundsätzlich sollte sich jeder Patient mit einer KHK bzw. einem durchgemachten Herzinfarkt vor Aufnahme sportlicher Aktivitäten einer ärztlichen Untersuchung unterziehen. Für die erfolgreiche Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe ist zudem eine Mindestbelastbarkeit erforderlich, die durch den Arzt ermittelt wird. Nicht alle Patienten mit einer KHK können körperlich belastet werden.

Gründe hierfür sind u.a. akute, schwere Erkrankungen des Herzens, etwa ein akuter Herzinfarkt bzw. eine akute Herzmuskelentzündung oder Zeichen einer nicht ausreichend behandelten Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) schwere Herzfehler, ein nicht ausreichend eingestellter Bluthochdruck, gefährliche, nicht ausreichend behandelte Herzrhythmusstörungen, sowie weitere Erkrankungen, die eine ausreichende Belastbarkeit des KHK-Patienten einschränken. Ein weiterer Grund liegt in einem fehlenden Einverständnis des Hausarztes. Dieser ist für die Therapie des Patienten verantwortlich und sollte daher in die Entscheidung für eine Bewegungstherapie grundsätzlich miteinbezogen werden.

Natürlich sollte das Auftreten von Beschwerden und Symptomen bei sportlichen Aktivitäten von Patienten mit einer KHK besonders aufmerksam registriert werden und dem Arzt mitgeteilt werden. Auch können Medikamente, die bei einer KHK häufig verordnet werden, die Durchführung des Sports beeinflussen. Betarezeptorenblocker, beispielsweise, senken die Herzfrequenz, gerinnungshemmende Medikamente erhöhen das Blutungsrisiko etc... Grundsätzlich sollten auch die medikamentösen Aspekte im Vorfeld mit dem behandelnden Arzt besprochen werden.

4) An wen kann ich mich für weitere Informationen wenden?

Grundsätzlich ist der Hausarzt der primäre Ansprechpartner in sportmedizinischen Fragen bei KHK bzw. durchgemachtem Herzinfarkt. Weitere Informationen bezüglich ambulanter Herzsportgruppen bietet insbesondere die

Deutsche Gesellschaft für Prävention
und Rehabilitation von Herz-Kreislauferkrankungen e.V.
Friedrich-Ebert-Ring 38
56068 Koblenz

Telefonnummer 02 61 / 30 92 31
Telefax 02 61 / 30 92 32
www.dgpr.de
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