Gesundheit

Warum ist Bewegung nach Schlaganfall wichtig?

Bewegung nach Schlaganfall mit Elementen der Physiotherapie, Ergo- und Sporttherapie sowie der ambulante wohnortnahe Rehabilitationssport gehören heutzutage zum Standardprogramm der neurologischen Therapie und Rehabilitation. Hinsichtlich der Indikation Schlaganfall gilt es zunächst, erneute Schlaganfälle – sogenannte Reinsulte -  sowie deren Risikofaktoren durch Bewegung und Sport in der Rehabilitation zu vermeiden bzw. zu mindern. Zusätzlich kommt körperlicher Aktivität im Rahmen der motorischen Rehabilitation nach Schlaganfall auf Grund der weitreichenden - teilweise irreversiblen - Einschränkungen auf motorischer, sensorischer, kognitiver, affektiver und psycho-sozialer Ebene eine besondere Bedeutung zu.

Was sollte ich bei der Bewegung beachten?

Im Rahmen der Prävention von Herz-Kreislauferkrankungen wird insbesondere der regelmäßigen Ausübung von sportlichen Aktivitäten eine große Bedeutung beigemessen. Bereits eine regelmäßige moderate Ausdauerbelastung von zwei mal dreißig min in der Woche reduziert das Schlaganfallrisiko um 40 – 50 Prozent.

Ausdauerbelastungen

in Form von Wandern, Walking/Nordic Walking, Radfahren bzw. Laufband- und Fahrradergometertraining sind als besonders geeignet anzusehen. Hierbei sollten neben dem Lebensalter und der individuellen körperlichen Leistungsfähigkeit auch immer indikationsspezifische Besonderheiten sowie eventuell bestehende Begleiterkrankungen, wie z.B. Herzinfarkt, Hypertonie, Diabetes oder Epilepsie berücksichtigt werden. Zu den empfehlenswerten Ausdauersportarten zählen ebenfalls das Schwimmen oder Aquajogging, wobei allerdings die Wassertemperatur von entscheidender Bedeutung sein kann. Denn:  zu kaltes oder zu warmes Wasser kann zu einem starken Blutdruckanstieg führen.

Grundsätzlich ist vor der Aufnahme von sportlichen Aktivitäten eine medizinische Untersuchung durchzuführen, um zum einen Leistungsstand und individuelle Belastungsgrenzen festzulegen und zum anderen, um absolute Kontraindikationen auszuschließen. Die Belastungen sollten bei 40–70 Prozent der maximalen Ausdauerleistungsfähigkeit liegen und mindestens dreimal wöchentlich für 20–30 Minuten durchgeführt werden. Eine Herzfrequenzkontrolle während des Trainings durch eine Pulsuhr ist hier unbedingt zu empfehlen.

Muskuläre Defizite bzw. Dysbalancen sind die häufigsten und schwerwiegendsten Folgen hinsichtlich der Funktionsfähigkeit des Skelettsystems nach Schlaganfall. Folglich gilt spezielles Krafttraining als geeignete Methode zur Wiedererlangung von berufs- und alltagsbezogenen Bewegungen, insbesondere des Gehens. Für den Kraftaufbau und die Kraftausdauer bieten sich sowohl ein Gerätetraining als auch ein Training mit Kleingeräten wie Therabänder, Leichthanteln oder Pezziball an.

Ein Kraftausdauertraining sollte zwei bis dreimal pro Woche mit zwei bis drei Sätzen á zehn bis fünfzehn Wiederholungen durchgeführt werden. Nicht zu empfehlen sind statische Kräftigungsübungen (Haltearbeit ohne Beugen und Strecken), da es hier aufgrund von Pressatmung zu starkem Blutdruckanstieg kommen kann. Grundsätzlich ist beim Krafttraining darauf zu achten, dass während der Belastunsphase ausgeatmet, und während der Entspannungs- bzw. Rückführungsphase eingeatmet wird!

Ergänzend zum Krafttraining sollte insbesondere zur Steigerung des Bewegungsausmaßes und zur Vorbeugung von Versteifungen und Verkürzungen von Muskeln und Sehnen (Kontrakturen) ein Flexibilitätstraining durchgeführt werden. Dieses sollte ebenfalls zwei bis dreimal pro Woche vor oder nach dem Krafttraining erfolgen, wobei die Haltedauer der Dehnpositionen zehn bis dreißig Sekunden betragen sollte.

Sturzprophylaxe

Etwa 40 Prozent aller Schlaganfallbetroffenen stürzen meist auf die gelähmte Seite! Dabei kommt es häufig zu Knochenbrüchen und anderen ernsthaften Komplikationen. In 50% aller Fälle ereignen sich diese in Form von Oberschenkelbrüchen. In wissenschaftlichen Studien beschriebene Trainingsprogramme, die primär auf eine Verbesserung von Gleichgewicht, Kraft und Gangbild abzielen, eignen sich am besten, um das Risiko von Stürzen und Folgeverletzungen bei Schlaganfallbetroffenen zu reduzieren. Desweiteren ist ein moderates Ausdauertraining, z.B. in Form von Walking, Nordic Walking oder Joggen sowie ein adäquates Krafttraining geeignet, den Knochenstoffwechsel insbesondere bei Frauen nach der Menopause aber auch bei jüngeren Männern und Frauen anzuregen.

Durch sportliche Aktivität kann somit zumindest der weitere altersbedingte Knochenmasseabbau verlangsamt und das davon abhängige Frakturrisiko reduziert werden. Zusätzlich fördern die Elemente eines sturzprophylaktischen Programms auch die alltagsnotwendigen Fähig- und Fertigkeiten.

Welche Übungen kann ich durchführen?

Oberschenkelinnenseite


  • Setzen Sie sich mit aufrechtem Rücken auf einen Hocker.
  • Die Füße sind schulterbreit geöffnet und die Zehenspitzen zeigen nach vorne.
  • Nehmen Sie einen kleinen Gymnastikball o. ä. zwischen die Knie und pressen diesen zusammen.
  • Halten Sie die Spannung ein bis zwei Sekunden und lassen die Spannung langsam wieder nach.
  • Wiederholen Sie die Übung 10 bis 15-mal.

Oberschenkelrückseite/Gesäß-/Rückenmuskulatur


  • Legen Sie sich mit dem Rücken auf einen harten Untergrund (Teppich, Handtuch o.ä.).
  • Stellen Sie die Füße auf und drücken nun Ihr Gesäß nach oben. Oberschenkel und der Rumpf sollten dabei eine schräge Ebene bilden.
  • Senken Sie nun abwechselnd Ihr Gesäß langsam bis kurz über den Boden ab und heben es dann wieder an.
  • Wiederholen Sie die Übung 10 bis 15-mal.

Arm- und Brustmuskulatur


  • Setzen Sie sich mit aufrechtem Rücken auf einen Hocker.
  • Die Füße sind schulterbreit geöffnet und die Zehenspitzen zeigen nach vorne.
  • Nehmen Sie einen kleinen Gymnastikball vor die Brust und drücken ihn mit den Handflächen zusammen. Bei ausgeprägter Lähmung des Armes können Sie auch die Hände falten und zusammendrücken.
  • Bauen Sie die Spannung abwechselnd langsam auf, halten sie ein bis zwei Sekunden und lassen dann die Spannung langsam wieder nach.
  • Wiederholen Sie die Übung 10 bis 15-mal.

Wohin kann ich mich wenden?

Der Anschluß an eine Selbsthilfegruppe und/oder ambulante Rehabilitationssportgruppe ist unbedingt zu empfehlen. Hier können Betroffene und Angehörige Erfahrungen und Probleme unter Gleichbetroffenen austauschen und ihre Krankheit durch gegenseitigen sozialen Austausch besser bewältigen lernen.

Internetadressen für Selbsthilfegruppen:

www.kuratorium-zns.de
www.schaedel-hirn.de
www.schlaganfall-hilfe.de

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