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Daten & Fakten zum Rauchen
Dr. med. Katharina Larisch
Qualmende Erwachsene
Rauchen ist die häufigste vermeidbare Todesursache in den Industrieländern. In Deutschland sterben jährlich 110.000 bis 140.000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums. Das sind etwa 300 bis 400 Menschen täglich!
Obwohl die Gesundheitsgefahr, die vom Rauchen ausgeht, seit langem bekannt ist, greifen nach wie vor unzählige Menschen zu Zigaretten & Co. In Deutschland gibt es in der Altersgruppe der 18- bis 59-Jährigen zwischen 16 und 20 Millionen Raucher.
Rund 25 Prozent aller Erwachsenen qualmen regelmäßig, weitere vier Prozent bezeichnen sich als Gelegenheitsraucher, berichtet die Deutsche Krebsgesellschaft. Es greifen mehr Männer (35 Prozent) als Frauen (22 Prozent) zum Glimmstängel. Auch der Beruf spielt beim Nikotinkonsum offenbar eine Rolle: Die meisten Raucher finden sich unter den Bauarbeitern, Fernfahrern und Busfahrern – hier haben 52 Prozent regelmäßig eine Zigarette in der Hand. Unter Ärzten, Apothekern und Lehrern sind es 18 Prozent.
Der Anteil rauchender Frauen ist in den Industrieländern nach wie vor hoch. Während der Prozentsatz rauchender Männer seit Jahren sinkt, steigt er bei den Frauen an, besonders in den neuen Bundesländern. Immer noch erkranken weitaus mehr Männer als Frauen an Lungenkrebs. Aber: Bei Männern nimmt die Zahl der Lungenkrebs-Erkrankungen bereits wieder ab; bei Frauen steigt sie immer noch an - weil bei ihnen auch der Zigarettenkonsum zunimmt.
Kinder und Jugendliche
82 Prozent aller erwachsenen Raucher haben vor dem 20. Lebensjahr ihre erste Zigarette geraucht. Das durchschnittliche Einstiegsalter liegt in Deutschland bei 11,6 Jahren, berichtet die Deutsche Krebshilfe unter Berufung auf die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). In bestimmten Altersgruppen (z.B. 14- und 15-Jährige) rauchen mehr Mädchen als Jungen.
Bei den 12- bis 17-jährigen Jugendlichen gibt es seit einigen Jahren einen starken Rückgang des Tabakkonsums. Das belegen die Daten der Drogenaffinitätsstudie der BZgA. Demnach sank zwischen 1997 und 2005 der Anteil der Raucher in dieser Altersgruppe bei den Jungen von 27 auf 21 Prozent und bei den Mädchen von 29 auf 19 Prozent.
Mit dem Alter nimmt bei Kindern und Jugendlichen sowohl die Regelmäßigkeit als auch die Intensität des Tabakkonsums zu. Das heißt: Je älter, desto mehr und öfter wird zur Zigarette gegriffen. Bei den 18- bis 25-Jährigen ist die Raucherquote mit 44 Prozent deutlich höher als bei den 12- bis 17-Jährigen (23 Prozent). Außerdem entwickelt sich in der Altersgruppe 18 bis 25 Jahre die Raucherquote bei den Frauen gegen den allgemeinen Trend und nahm um zwei Prozent zu. Bei den Männern ist seit 1993 eine kontinuierliche Abnahme der Raucherquote bis auf 45 Prozent (2004) zu beobachten.
Alter und Menge
Es besteht ein Zusammenhang zwischen Alter und Rauchen. Bei Erwachsenen sinkt mit zunehmendem Alter der Anteil der Raucher in den einzelnen Altersklassen: Zum einen schaffen manche im Laufe des Lebens den Rauchstopp. Zum anderen ist bei Rauchern die Erkrankungs- und Sterblichkeitsrate erhöht, was den relativen Anteil der Nichtraucher in höheren Altersgruppen anhebt.In den letzten Jahren sind die Preise für Tabakerzeugnisse stetig gestiegen. Für viele ein Grund, das Rauchen aufzugeben. In den letzten Jahren haben statistisch immer mehr Raucher aufgehört. Es gibt jedoch einen „harten Kern“, der nicht aufhören kann bzw. will.
Auch in Bezug auf die konsumierte Tabakmenge ist Raucher nicht gleich Raucher. Laut dem Gesundheitsbericht für Deutschland (2006) qualmen knapp 40 Prozent aller erwachsenen Raucher pro Tag mindestens zwanzig Zigaretten. Sie gelten also als starke Raucher. Diese stark abhängigen „Vielraucher“ sind besonders gefährdet für tabakbedingte Krankheiten wie Herzkreislauf-Erkrankungen oder Krebs. Das Risiko für diese Krankheiten steigt aber auch mit der Zahl der Jahre, in denen geraucht wurde. Wer über viele Jahre hinweg täglich nur wenige Zigaretten raucht, schadet seiner Gesundheit daher nicht weniger als einer, der über kurze Zeit sehr viele Glimmstängel konsumiert.
Tabakverbrauch – Milliarden verpafft
In Deutschland wurden im Jahr 2006 rund 93,5 Milliarden (Mrd.) Zigaretten verkauft, berichtet die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) unter Berufung auf das Statistische Bundesamt. Das sind 2,5 Prozent (etwa 2,4 Mrd. Stück) weniger als im Vorjahreszeitraum. Deutlich zugenommen hat dagegen der Verbrauch von Zigarren und Zigarillos. 2006 wurden 5,5 Mrd. Stück davon verkauft – ein Plus von 37,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Auch loser Tabak (Feinschnitt) wird immer beliebter, denn zunehmend mehr Raucher drehen sich ihre Zigaretten selbst. Im Jahr 2006 wurden somit 22.702 Tonnen Feinschnitt verkauft; das sind 31,7 Prozent mehr als noch 2005. In Deutschland wurden 2006 insgesamt etwa 23 Mrd. Euro für Tabakwaren ausgegeben, was einem Minus von 3,6 Prozent zum Vorjahr entspricht.
Den größten Anteil an den Ausgaben hatten die Zigaretten mit fast 20 Mrd. Euro (+1,9 Prozent gegenüber 2005). Die Tabaksteuer ist für den Bundeshaushalt von allen Verbrauchssteuern die zweitwichtigste Einnahmequelle (nach der Mineralölsteuer). 2006 brachte sie dem Staat etwa 14,4 Mrd. Euro ein – 0,9 Prozent mehr als im ein Jahr zuvor. Zum Vergleich: Der volkswirtschaftliche Schaden, den der Tabakkonsum pro Jahr in Deutschland verursacht, liegt bei fast 40 Milliarden Euro, berichtet die Deutsche Krebshilfe. Etwa 12,4 Mrd. davon sind tabakbedingte Kosten für Arbeitsausfall wegen Krankheit und Tod.
Zigarette/Zigarettenrauch – Was drin steckt
Tabak enthält nicht nur Nikotin, sondern unzählige weitere Stoffe. So entstehen beim Verbrennen einer Zigarette mehr als 4800 chemische Substanzen (Gase und feste Partikel). Manche davon dienen nur dazu, dass Zigaretten besser schmecken und sich damit auch besser verkaufen lassen. Wissenschaftler untersuchen Zigaretten und Tabakrauch immer wieder, um herauszufinden, welche Substanzen süchtig machen und welche gefährlich sind. Bislang weiß man, dass mehr als 70 aller Stoffe im Zigarettenrauch gefährlich sind: Sie sind hochgradig giftig und krebserregend (karzinogen) oder stehen zumindest im Verdacht, Krebs zu verursachen. Folgende Substanzen sind besonders gesundheitsgefährlich:
Feste Partikel:
- Teer - karzinogen
- Aromatische Kohlenwasserstoffe - karzinogen
- Nikotin - Sucht
- Phenol - Co-Karzinogen und reizend
- Kresol - Co-Karzinogen und reizend
- ß-Naphtylamin - karzinogen
- N-Nitrosonornikotin - karzinogen
- Benzopyren - karzinogen
- Metalle (Nickel, Arsen, Polonium) -karzinogen
- Indole - Tumor Beschleuniger
- Carbazole - Tumor Beschleuniger
- Ctechol - Co-Karzinogen
Gase:
- Kohlenmonoxid - blockiert Sauerstofftransport
- Blausäure-Verbindungen - Zilientoxisch und reizend
- Acetaldehyd - Zilientoxisch und reizend
- Acrolein - Zilientoxisch und reizend
- Ammoniak - Zilientoxisch und reizend
- Formaldehyd - Zilientoxisch und reizend
- Stickstoffoxide - Zilientoxisch und reizend
- Nitrosamine - karzinogen
- Hydrazine - karzinogen
- Vinylchlorid - karzinogen
Leichte Zigaretten enthalten weniger Nikotin und etwas weniger gesundheitsschädliche Begleitstoffe (z.B. Teer). Das bedeutet aber nicht, dass sie gesünder sind! Denn viele Raucher greifen nach dem Umstieg auf die leichtere Variante häufiger zu den Glimmstängeln oder inhalieren tiefer als vorher, um dadurch ihre gewohnte Nikotinmenge zu bekommen. Die Folge: Sie nehmen im Endeffekt mehr schädliche Begleitstoffe auf als Raucher, die wie gewohnt die „normalstarke“ Zigarettenmarke konsumieren! Aus diesem Grund dürfen Hersteller ihre Zigaretten nicht mehr als „light“ oder „mild“ bezeichnen.
Inhaliert ein Raucher die Stoffe, die beim Abbrennen einer Zigarette entstehen, gerät der Körper möglicherweise unter „oxidativen Stress“. Das heißt: Es entstehen vermehrt sehr reaktionsfreudige Sauerstoffverbindungen. Wissenschaftler vermuten, dass dieser oxidative Stress bei der Entstehung von Krebs, Bronchitis oder Herzkrankheiten eine Rolle spielt.
Die Zusatzstoffe
Zusatzstoffe (Additive) werden zum einen aus technischen Gründen den Tabakwaren beigefügt. Einige Beispiele: Glycerin ist ein Absorptionsmittel und verhindert, dass der Tabak krümelt. Verschiedene Salze geben der Zigarette eine gleichbleibende Brennqualität, und auch im Zigarettenpapier stecken Zusatzstoffe.
Zum anderen dienen manche Additive auch als Geschmacksstoffe: Sie sollen den verschiedenen Zigarettenmarken einen ganz bestimmten, unverwechselbaren Geschmack geben – und damit natürlich auch deren Verkauf ankurbeln. Beigefügter Zucker zum Beispiel karamellisiert beim Abbrennen der Zigarette mit dem Ammoniak, wodurch der Tabakrauch einen weicheren Geschmack bekommt. Menthol und Eugenol (Aroma aus Nelken) werden zugefügt, weil sie schmerzstillend auf die Schleimhäute wirken, wodurch diese vom Zigarettenrauch weniger gereizt werden. Verschiedene Aromastoffe - beispielsweise aus Kakao oder Lakritze - verbessern den Geschmack.
Warnhinweise
Seit 2004 müssen Tabakwarenerzeugnisse verschärfte Warnhinweise tragen. Verpflichtende Warnhinweise sind „Rauchen ist tödlich“, „Rauchen kann tödlich sein“ bzw. „Rauchen fügt Ihnen und den Menschen in Ihrer Umgebung erheblichen Schaden zu“. Diese müssen 30 Prozent der Vorderseite einer Packung einnehmen.
Daneben muss einer von 14 ergänzenden Warnhinweise mindestens 40 Prozent der Rückseite der Packung bedecken. Mögliche Formulierungen sind hier beispielsweise „Raucher sterben früher“ oder „Rauchen in der Schwangerschaft schadet Ihrem Kind“.
Bei Tabakwarenerzeugnissen, deren Packungen größer als 75 cm² sind, müssen die Warnhinweise mindestens 22,5 cm² auf jeder Seite einnehmen.
Datum: 29. Juli 2008

