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Hirn- & Rückenmarkstumore
Beschreibung
Dr. med. Katharina Larisch
Ein Tumor ist ein krankhaft verändertes Gewebe, in dem sich die Zellen ungebremst vermehren und wachsen. Entwickelt sich eine Geschwulst direkt aus Gehirn- oder Rückenmarkszellen, so spricht man von einem primären Gehirn- bzw. Rückenmarkstumor. Demgegenüber stehen die Tochtergeschwülste (Metastasen) anderer Tumoren. Diese werden als sekundäre Gehirn-/Rückenmarkstumore bezeichnet.
Unterscheiden muss man auch zwischen gutartigen (benignen) und bösartigen (malignen) Tumoren. Tumore in Gehirn und Rückenmark unterscheiden sich in einem wichtigen Aspekt von anderen Geschwülsten: Das Gehirn befindet sich im knöchernen Schädel und hat deshalb keine Möglichkeit, einem sich ausbreitenden Tumor auszuweichen. Gleiches gilt auch für das Rückenmark im knöchernen Rückenmarkskanal. So können selbst gutartige Tumore schwere Schäden verursachen, die nur verdrängend wachsen und sich nicht in anderen Organen absiedeln.
In Deutschland erkranken 7 von 100.000 Personen jährlich an bösartigen Hirntumoren, vor allem Kinder bis zum 10. und Erwachsene vom 60. bis 75. Lebensjahr. Maligne Hirntumore machen nur ein Prozent der Krebserkrankungen beim Erwachsenen, jedoch 20 Prozent der Krebserkrankungen im Kindesalter aus. Bei Kindern sind primäre Gehirntumore am häufigsten, bei Erwachsenen sind es die Metastasen. Nach Angaben der Deutschen Hirntumorhilfe erkranken jedes Jahr über 6.000 Menschen an einem primären Hirntumor, bei über 30.000 Tumorpatienten werden Hirnmetastasen diagnostiziert. Denn mehr als 20 Prozent aller Patienten mit bösartigen Tumoren entwickeln Gehirnmetastasen.
Die häufigsten Tumore bei Erwachsenen sind das Meningeom (fast immer gutartig, ein Viertel aller Hirntumore), Tumore der Hirnanhangsdrüse (Hypophysenadenom, meist gutartig, ca. acht Prozent), das Astrozytom (gut- /bösartig, ca. acht Prozent) und das Glioblastom (der bösartigste Hirntumor, über 22 Prozent).
Ursachen
Wie bei vielen anderen Krebserkrankungen ist die Ursache für die Entstehung der meisten Gehirn- und Rückenmarkstumore unbekannt. Es gibt seltene Tumorerkrankungen, für die eine erbliche Veranlagung bekannt ist wie die Neurofibromatose oder die Tuberöse Sklerose. Für die Mehrzahl der Tumore in Gehirn und Rückenmark scheinen genetische Faktoren jedoch nicht relevant zu sein. Auch für Hochspannungsleitungen, Handys, Kopfverletzungen oder bestimmte Ernährungsgewohnheiten war kein Einfluss auf die Tumorentstehung im Gehirn nachweisbar.
Symptome
Die Beschwerden bei einem Gehirntumor sind davon abhängig, wo er genau im Gehirn entsteht. Je nach Ort beeinträchtigt er verschiedene Zentren im Gehirn, beispielsweise das Seh-, Sprach- oder Hörzentrum. Leider gibt es keine Anzeichen, die typisch für eine bestimmte Tumorart sind. Unter anderem können schwere Kopfschmerzen, Sehstörungen, epileptische Anfälle, Sprachstörungen und Persönlichkeitsveränderungen auftreten.Gehirn- und Rückenmarkstumore können beide zu Lähmungserscheinungen sowie zu Gefühls- und Empfindungsstörungen führen. Bei Befall des Rückenmarks können ausstrahlende Schmerzen in einen Arm oder ein Bein ein erstes Anzeichen sein. Diese Beschwerden sind denen eines Bandscheibenvorfalls sehr ähnlich.
Diagnostik
Die richtige Diagnose zu stellen ist schwierig, weil die Symptome ähnlich wie bei vielen anderen Gehirn- und Rückenmarkserkrankungen sind. Deshalb werden Gehirn- und vor allem Rückenmarkstumore oft erst spät erkannt. Besteht ein Verdacht auf eine krankhafte Wucherung, wird die Diagnose meist über eine Computertomographie (CT) oder eine Kernspintomographie (MRT) gesichert. Tumorgewebe wird anders durchblutet als gesundes Gewebe, deshalb wird zur genauen Abgrenzung des Tumors ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt.Zusätzlich stehen noch Gefäßaufnahmen (Angiographie) zur Verfügung, die die genaue Blutversorgung des Tumors erkennen lassen. Manchmal entnimmt der Arzt eine Gewebeprobe direkt aus dem Tumor (Biopsie), um die Zellen feingeweblich zu untersuchen. So lässt sich feststellen, ob es sich um einen gut- oder bösartigen Tumor handelt.
Eine frühe Diagnose verbessert in der Regel die Heilungschancen erheblich. Lassen Sie sich deshalb ausführlich zu den nächsten Untersuchungsschritten beraten und fragen Sie nach, falls Ihnen etwas unklar ist. Holen Sie sich möglicherweise noch eine Zweitmeinung eines Spezialisten ein. Schon die Untersuchung eines Hirn- oder Rückenmarkstumors gehört in die Hand von Spezialisten. Neurologe, Neuroradiologe und Neurochirurg arbeiten bereits in dieser Phase eng zusammen.
Datum: 4. August 2008

