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Leukämie & Lymphome

Beschreibung

Dr. med. Katharina Larisch

Leukämie heißt soviel wie „weißes Blut“, im Volksmund wird die Erkrankung auch als Blutkrebs bezeichnet. Betroffen ist das blutbildende System im Knochenmark. Der Körper bildet übermäßig viele weiße Blutkörperchen, die aber nicht funktionsfähig sind.

Maligne Lymphome sind Krebserkrankungen des lymphatischen Systems. Dazu zählen Lymphknoten, Milz und bestimmte weiße Blutkörperchen (T- und B-Lymphozyten). Umgangssprachlich werden die Lymphome auch als Lymphdrüsenkrebs bezeichnet.

Maligne Lymphome und Leukämien sind im Vergleich zu soliden Tumoren wie Brustkrebs, Darmkrebs, Lungenkrebs und Prostatakrebs eher selten. Nach Angaben des Kompetenznetzes Leukämien erkranken in Deutschland jährlich rund 11.800 Menschen an Leukämie - darunter 600 Kinder und etwa 13.800 Menschen an malignen Lymphomen. Mehr als 50 Prozent der Leukämien treten bei über 65-Jährigen auf, Männer sind häufiger betroffen als Frauen. An Lymphomen erkranken Patienten gehäuft zwischen dem 15. und 35. Lebensjahr sowie zwischen dem 60. und 70. Lebensjahr.

Ein Name – verschiedene Erkrankungen

Mediziner unterteilen die Leukämie in vier Hauptarten. Entwickelt sich die Leukämie innerhalb von Wochen zu einem lebensbedrohlichen Krankheitsbild, spricht man von akuter Leukämie. Bei der chronischen Form bleibt der Zustand der Patienten über Monate und Jahre stabil. Außerdem werden die Leukämien danach unterschieden, welche Unterart von weißen Blutkörperchen betroffen ist. Sind die Granulozyten befallen, spricht man von der myeloischen Form. Bei der lymphatischen Leukämie vermehren sich dagegen die Lymphozyten unkontrolliert. Man unterscheidet also:

  • ALL (Akute Lymphatische Leukämie)
  • AML (Akute Myeloische Leukämie)
  • CLL (Chronisch lymphatische Leukämie)
  • CML (Chronische Myeloische Leukämie, chronische Myelose)

Die ALL ist bei Kindern und Jugendlichen bis zum 20. Lebensjahr die häufigste Form. Die AML steht bei Kindern an zweiter Stelle und ist bei Erwachsenen die häufigste akute Leukämie. Die CML ist bei Erwachsenen wesentlich häufiger als bei Kindern. Die CLL ist die häufigste Form bei Erwachsenen. Sie wird heute zum Formenkreis der Non-Hodgkin-Lymphome gezählt.

Die Lymphome werden in zwei Gruppen unterteilt. Zum einen gibt es das klar definierte Hodgkin-Lymphom, auch Morbus Hodgkin genannt. Bei dieser Form sind spezielle Zellen (Hodgkin-Zellen) in den Lymphknoten nachweisbar. Zum anderen gibt es eine große Gruppe der Non-Hodgkin-Lymphome (NHL). In diese Gruppe fallen viele unterschiedliche Erkrankungen. Unterteilt werden sie nach ihrem Verlauf in aggressiv (hochmaligne) oder langsam fortschreitend (niedrig maligne). Hier sind die Hodgkin-Zellen nicht zu finden.

 

Ursachen oft unklar

In den meisten Fällen ist die Ursache für diese Krebserkrankungen unklar. Risikofaktoren für Leukämien sind radioaktive Strahlung, Umweltgifte (z.B. Benzol) und vorausgegangene Chemotherapien. Bei Menschen mit einer CML lässt sich in den meisten Fällen in den Krebszellen eine Veränderung im Erbgut (so genanntes Philadelphia-Chromosom) nachweisen. Auch andere Chromosomenveränderungen erhöhen das Leukämierisiko. So haben Menschen mit Down-Syndrom – bei ihnen ist das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vorhanden – ein 20fach erhöhtes Risiko, an einer akuten myeloischen Leukämie zu erkranken.

Bei den Non-Hodgkin-Lymphomen ist das zunehmende Alter ein Risikofaktor. Bei einigen Lymphomformen sind Viren an der Entstehung beteiligt. So kann beispielsweise das Epstein-Barr-Virus die Entstehung des Burkitt-Lymphoms begünstigen. Die chronische Entzündung der Magenschleimhaut durch Infektion mit dem Bakterium Helicobacter pylori erhöht das Risiko für maligne Lymphome der Magenschleimhaut (MALT-Lymphom). Störungen der Immunabwehr beispielsweise durch AIDS oder nach einer Organtransplantation erhöhen das Risiko für Non-Hodgkin-Lymphome. Der Zusammenhang zwischen radioaktiver Strahlung und Lymphomen ist nicht so eindeutig wie bei Leukämien.

 

Symptome – Schnell oder langsam

Bei der Leukämie verdrängen die Krebszellen die anderen blutbildenden Zellen, beispielsweise rote Blutkörperchen und Blutplättchen. Bei den akuten Leukämien steigt die Zahl der neu gebildeten weißen Blutkörperchen sehr rasch an. Schnell entwickeln sich Symptome wie Leistungsminderung, Fieber, Nachtschweiß, Müdigkeit, Herzrasen, Luftnot und Blässe. Es kommt zu einer verstärkten Blutungsneigung, zum Beispiel Zahnfleisch- oder Nasenbluten. Auch Infekte treten gehäuft auf.

Bei den chronischen Leukämien entwickeln sich diese Symptome langsam über Monate bis Jahre. Häufig wird die Leukämie zufällig bei einer Blutuntersuchung entdeckt.

Erstes Zeichen eines malignen Lymphoms ist häufig die Schwellung eines oder mehrerer Lymphknoten, zum Beispiel am Hals oder am Unterkiefer. Eine Vergrößerung, die über mehr als zwei Wochen bestehen bleibt, sollte vom Arzt untersucht werden. Weitere Symptome sind Leistungsminderung, Müdigkeit und Appetitlosigkeit.

Zudem sind die so genannten B-Symptome ein Hinweis. Dazu zählen: Häufiges oder anhaltendes Fieber (>38 Grad), nächtliches Schwitzen sowie ungewollter Gewichtsverlust von mehr als zehn Prozent des Körpergewichts innerhalb von sechs Monaten.

Bei der Diagnose der akuten Leukämie oder des aggressiven Lymphoms zählt jeder Tag, da die Krankheiten unbehandelt innerhalb von wenigen Monaten zum Tod führen. Je schneller also die Diagnose erfolgt, desto besser stehen die Heilungschancen. Daher sollten Sie bei einem Verdacht umgehend einen Spezialisten aufsuchen.

 

Diagnose

Erste Hinweise auf eine Leukämie liefert eine Blutuntersuchung (Blutbild). Für die genaue Diagnose ist eine Knochenmarksuntersuchung notwendig. Bei der ALL wird zusätzlich die Rückenmarkflüssigkeit untersucht, da die Leukämiezellen das Nervensystem befallen können.

Bei Verdacht auf ein Lymphom wird ein verdächtiger Lymphknoten entnommen und untersucht. Ist die Diagnose Lymphom abgesichert, werden je nach Untergruppe verschiedene zusätzliche Untersuchungen durchgeführt. Dazu zählen unter anderem: Ultraschall, Computertomographie, Kernspintomographie, Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit, Magen-Spiegelung oder Skelettszintigraphie. Häufig wird auch eine Knochenmarksuntersuchung durchgeführt.

Sehr wichtig ist, dass die Diagnostik in einem speziellen Zentrum erfolgt, beispielsweise in einer hämatologischen Abteilung eines Krankenhauses. Die Art der Erkrankung und das Stadium der Erkrankung müssen exakt bestimmt werden, weil dies über die Therapiewahl entscheidet. Sind Ihnen Diagnose und vorgeschlagene Therapie unklar, können Sie auch eine Zweitmeinung bei einem anderen Spezialisten einholen.

Datum. 31. Juli 2008