Richtige Behandlung

Patientenberatung & -information

Dr. med. Katharina Larisch

Nur wenige Minuten

Medizinische Beratungs- und Aufklärungsgespräche werden oft unter großem Zeitdruck absolviert und beschränken sich auf das Notwendigste. Ein Arzt-Patienten-Gespräch beim Hausarzt dauert im Durchschnitt nur wenige Minuten, haben Experten ausgerechnet. Das ist zu wenig, um Vertrauen zu gewinnen und eine tragfähige Arbeitsbeziehung zwischen Patient und Arzt aufzubauen. Die sogenannte „sprechende Medizin“ ist damit im Vergleich zur „apparativen Medizin“ weit in den Hintergrund gerückt.

Aber genau dieser menschliche Kontakt und die individuelle Betreuung machen die Qualität der medizinischen Versorgung aus - das gilt vor allem bei chronischen Erkrankungen. Nur ein Patient, der seine Ängste und Fragen verstanden weiß und sich vom Arzt ernst genommen fühlt, wird sich auch an spätere Vereinbarungen halten. Am Beispiel des Diabetes Typ-2 wurde dieser Zusammenhang in einer Studie in deutschen Hausarztpraxen bewiesen. So zeigten intensiv betreute Diabetiker eine bessere Bereitschaft zur Zusammenarbeit (Compliance). Eine gute Compliance wiederum war mit einer höheren Überlebensrate der Patienten verbunden.

Optimale Beratung

Nach einer ausführlichen Diagnostik ist die Erkrankung meist klar bestimmt. Spätestens jetzt ist es Zeit für ein Aufklärungsgespräch. Eine umfassende Beratung bei einer schweren Erkrankung oder vor einer komplexen medizinischen Entscheidung kostet vor allem eines: Zeit!

Ganz wichtig ist es, dass Gespräche über die persönlichen Belange eines Patienten in einem vertrauensvollen Klima stattfinden. Heutzutage sind Arzt und Patient Partner - und sollten auch wie Partner miteinander umgehen. Ein gehetztes Gespräch im Vorübergehen, womöglich noch vor anderen Patienten, ist kaum geeignet, auch schwierige oder belastende Fragen umfassend zu erörtern.

Zuerst bespricht der Arzt mit seinem Patienten die aktuelle Situation. Er erklärt, um welche Erkrankung es sich handelt, was dahinter steckt und was dies für die aktuelle Lebenssituation des Patienten bedeutet. Ein Beispiel ist der Prostatakrebs, der ab einem bestimmten Alter sehr langsam wächst. So ist die Gefahr für einen 80-jährigen Mann sehr gering, an dieser Erkrankung zu sterben. Anders bei jüngeren Männern: Die Krebszellen sind viel wachstumsfreudiger und aggressiver. Hier muss unverzüglich gehandelt werden.

Der Arzt nennt aber nicht nur die Erkrankung beim Namen, er erläutert die Untersuchungsergebnisse und Laborwerte. Damit begründet er auch, ob die Diagnose schon hieb- und stichfest oder noch zu sichern ist.

 

Transparenz schaffen

Sind dem Patienten die Diagnose und die Auswirkungen auf sein Leben klar, wird ihn der Arzt auf mögliche weitere Untersuchungen hinweisen. Müssen noch andere Ursachen für die Beschwerden ausgeschlossen werden? Sind vor der Festlegung der richtigen Behandlung noch Voruntersuchungen notwendig?

Ein Beispiel: Körperliche Untersuchung und Kernspintomographie haben einen höchstwahrscheinlich gutartigen Gehirntumor als Grund für eine Sehstörung identifiziert. Hier erklärt der Arzt dem Patienten, dass die Zellen der Geschwulst nach der operativen Entfernung im Labor untersucht werden (histologische Untersuchung). Erst nach der genauen Zuordnung des Tumors zu einem bestimmten Zelltyp ist klar, ob noch weitere Behandlungsschritte nötig sind. Dies könnte beispielsweise eine Bestrahlung sein, um ein Wiederauftreten des Gehirntumors zu verhindern.

 

Gemeinsam entscheiden

Als Nächstes einigen sich Arzt und Patient auf eine Therapie, hinter der beide voll und ganz stehen. Manchmal gibt es mehrere verschiedene Behandlungsansätze. Der Arzt wird Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden erklären, sie abwägen und dann begründen, warum er welches Verfahren vorschlägt. Besteht kein Zeitdruck (wie in einem Notfall), erhält der Patient an dieser Stelle Bedenkzeit, um sich mit der Diagnose auseinanderzusetzen und mit einem Behandlungsweg anzufreunden. Vielleicht nutzt er auch das Intervall bis zum nächsten Gesprächstermin, um sich mittels Broschüren genauer über das Krankheitsbild zu informieren bzw. eine zweite Meinung bei einem anderen Spezialisten einzuholen.

 

Der wissende Patient

Mit Information gestärkt können Sie beim nächsten Arztkontakt gezielt nachfragen. Sie sollten Ihre Fragen bereits zuvor für sich formuliert haben, sie jetzt aber ohne Scheu stellen. Je besser Sie vorinformiert sind, desto leichter fällt es Ihnen, den Ausführungen Ihres Arztes zu folgen, weil Ihnen nicht mehr alle Zusammenhänge völlig neu und fremd sind.

Wenn Sie sich über Ihre Erkrankung ausreichend informiert haben, können Sie außerdem die Aussagen des Arztes mit anderen Informationsquellen abgleichen. Decken sich die Informationen, können Sie sich Ihrer Entscheidung für oder gegen eine Therapieform sicherer sein. Denn zum Behandlungserfolg tragen nicht nur die geeignete therapeutische Maßnahme und die Erfahrung des Arztes bei: Hat der Patient Zutrauen und Zuversicht, wirkt sich das positiv auf die Heilungsvorgänge aus.

Sind Sie nach diesem zweiten Gespräch immer noch unsicher, bitten Sie um Bedenkzeit und darum, den Eingriff gegebenenfalls zu verschieben. Lassen sich Ihre Zweifel nicht ausräumen, ziehen Sie in Erwägung, den Arzt zu wechseln.

 

Die neue Kommunikation

Inzwischen haben sich die Ärzte auf nachfragende Patienten eingestellt. Sie schätzen die klare Gesprächsführung und auch die Zeitersparnis im Umgang mit einem gut informierten Patienten. Moderne Ärzte berücksichtigen die individuellen Wünsche ihrer Patienten bei der Wahl des Behandlungsumfangs, des Behandlungsverfahrens und des Behandlungskomforts.

Die großen Fachgesellschaften der verschiedenen medizinischen Disziplinen geben deshalb zum Teil schon Merkblätter für Patienten heraus und arbeiten mit führenden Selbsthilfegruppen zusammen. Wichtige Diagnoseschritte und die erfolgversprechendsten Therapieempfehlungen fassen sie in so genannten Leitlinien zusammen. Da die Leitlinien in ihrer medizinischen Fachsprache für den Laien kaum verständlich sind, gehen sie dazu über, spezielle Kurzfassungen in einer allgemeinverständlichen Sprache zu veröffentlichen (einsehbar unter: www.leitlinien.net oder www.patienten-information.de/content/gesundheitsinfos).

Andere Mediziner empfehlen Ratgeber in Buchform als Informationsquellen. Sie können zu Hause in Ruhe nachlesen und sich Fragen notieren, die Ihnen wichtig sind. Scheuen Sie sich nicht, diese Ihrem Arzt zu stellen.

Für weiterführende Informationen gibt es mittlerweile spezielle Informationsveranstaltungen. Diese Patientenseminare befassen sich mit einem Thema, zu dem Forscher, Ärzte, Ernährungsspezialisten und Therapeuten Vorträge halten.

Noch praktischer geht es in Patientenschulungen zu: Hier wird nicht nur theoretisches Wissen vermittelt, sondern auch praktisch geübt. In Diabetesschulungen werden gemeinsam blutzuckerstabilisierende Mahlzeiten zubereitet, Tipps für den Ausdauersport gegeben oder das richtige Setzen einer Insulinspritze eingeübt. Ähnliche Schulungen gibt es für Asthmatiker, Menschen mit chronischer Bronchitis, rheumatoider Arthritis oder Eltern übergewichtiger Kinder. Ggf. ist eine Kostenbeteiligung durch den Versicherer möglich.

 

Aufklärung: Rechte und Pflichten

Wer zum Arzt geht und sich für eine medizinische Behandlung entscheidet - welcher Art auch immer - muss umfassend über Risiken, Komplikationen und Alternativen aufgeklärt werden. Ausnahme: Es handelt sich um einen Notfall und dem Betroffenen geht es so schlecht, dass er nicht entscheiden kann. Manche Patienten verzichten auch bewusst auf eine Aufklärung, was dann aber schriftlich festgehalten werden muss.

Gibt es bei der Aufklärung erhebliche Defizite, kann das im Einzelfall juristische Folgen haben: Denn je weniger dringlich ein Eingriff ist, desto umfassender muss aufgeklärt werden. Jeder Eingriff in die körperliche Unversehrtheit des Menschen ist grundsätzlich eine strafrechtlich relevante Körperverletzung. Sie ist dem Arzt, wie jedem anderen nur erlaubt, wenn der Patient einwilligt. Und zustimmen kann ein Patient nur dann, wenn er umfassend aufgeklärt ist. Das heißt: Kommt es im Laufe eines medizinischen Eingriffes zu einer Komplikation, über die nicht aufgeklärt wurde, kann der Patient den Arzt verklagen - etwa auf Schmerzensgeld oder Schadenersatz.

Es gibt heute für fast jeden diagnostischen oder operativen Eingriff vorgedruckte Aufklärungsbögen. Sie beschreiben Methode und genaues Vorgehen der medizinischen Maßnahme und weisen auf alle Risiken und Komplikationen hin. Außerdem enthalten sie einen Teil, in dem der Patient seine individuellen Risiken eintragen kann. Diese Papiere sollten nicht als "Beipackzettel des Eingriffes" betrachtet werden, sondern als sinnvolle Informationsquelle zur Vorbereitung auf ein Aufklärungsgespräch. Ersetzen können sie die mündliche Aufklärung nicht - weder emotional noch juristisch.

Die Inhalte dieses Aufklärungsgespräches müssen dokumentiert, der Aufklärungsbogen vom Arzt und vom Patienten unterschrieben werden. Der Arzt muss grundsätzlich vor jedem medizinischen Eingriff über typische Risiken für den jeweiligen Eingriff aufklären. Das sind diejenigen Komplikationen, die in der speziellen Operation auftreten können und auch schon in früheren Fällen eingetreten sind. Die ganz seltenen Risiken sind zu beschreiben, wenn der Patient offensichtlich ein Interesse daran hat oder wenn er in seiner Entscheidung noch nicht gefestigt ist. Allgemeine Risiken, die heute jeder kennt, kann man streifen, sie müssen aber nicht im Detail genannt werden.

Datum: 25. Januar 2011

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