Rauchfrei

Nichtraucher werden

Abhängigkeit & Entzug / Entwöhnung

Dr. med. Katharina Larisch

Nikotin ist eine hochgiftige Substanz, die schnell in die Abhängigkeit führt. Bereits nach wenigen Zigaretten können sich erste Anzeichen dafür einstellen. Auch ein geringer Tageskonsum von fünf oder weniger Zigaretten kann abhängig machen. Kinder und Jugendliche sind ganz besonders abhängigkeitsgefährdet, berichet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA). Rund  80 Prozent der Jugendlichen, die bis zu fünf Zigaretten täglich rauchen, weisen schon mindestens ein Suchtanzeichen auf. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt, dass 70 bis 80 Prozent der Raucher tabakabhängig sind.

Mehr als nur körperliche Abhängigkeit

Viele Raucher haben schon einmal versucht, mit dem Qualmen aufzuhören – meist vergeblich. Denn es steckt mehr dahinter als eine rein körperliche Abhängigkeit, die den Raucher zu den Zigaretten greifen lässt. Haben auch Sie den Rauchstopp schon einmal erfolglos versucht? Dann werden Sie wissen, dass die Entzugssymptome (heftige Rauchgelüste, Kopfschmerzen, niedriger Puls und Blutdruck) oft nicht der schlimmste Teil des Rauchstopps sind. Bei den meisten Menschen gehen diese Symptome nach den ersten Wochen vorbei. Die körperliche Nikotinabhängigkeit loszuwerden, ist also nur ein Aspekt des Rauchstopps.

Viel wichtiger ist, dass Ihr Wohlbefinden, Ihr Selbstbewusstsein, Ihr soziales Miteinander und Ihre täglichen Gewohnheiten alle in Verbindung mit dem Rauchen stehen. Sie müssen damit umgehen lernen, um dauerhaft Nichtraucher zu bleiben. Die drei Elemente der Sucht sind: Körperliche, soziale und psychische Abhängigkeit.

 

Körperliche Abhängigkeit

Nikotin ist ein Stimulans. Wie Koffein, Kokain und Amphetamine wirkt es in niedriger Dosierung stimmungsaufhellend und konzentrationsfördernd. In hohen Dosen ist die Wirkung gegenteilig. Es ist eine süchtig machende Substanz wie etwa Kokain oder Morphium. Erinnern Sie sich noch an die ersten Zigaretten? Wahrscheinlich haben Sie nach den ersten Zügen gehustet und danach dürfte Ihnen ziemlich schlecht gewesen sein. Der Körper reagiert so, weil Nikotin ein starkes Gift ist. Wie bei anderen Suchtstoffen auch, gewöhnt er sich aber mit der Zeit an die Nikotinschübe. Die Sensibilität für die stimulierenden Effekte des Tabaks verstärkt sich und der Körper wird schließlich abhängig.

Das gute Gefühl, das Sie dem Rauchen zuschreiben, wie eine verbesserte Konzentrationsfähigkeit, ist nur auf die Milderung der Entzugssymptome nach einer Zigarette zurückzuführen. Nikotin ist der Grund für die körperliche Zigarettenabhängigkeit. Typische Symptome eines körperlichen Entzugs sind:

  • Reizbarkeit
  • Nervosität
  • Schlafstörungen
  • Depressive Verstimmung
  • Kopfschmerzen
  • Schlechte Konzentrationsfähigkeit und heftige Rauchgelüste – der Körper fordert auf diese Weise mehr vom Suchtmittel Nikotin.

Die körperlichen Entzugssymptome beim Rauchstopp sind bestens bekannt, allerdings sind sie nicht ganz leicht zu bewältigen. Außerdem reagieren auch nicht alle Raucher gleich und die Stärke dieser Entzugserscheinungen kann extrem variieren. Nach zwei oder drei Tagen ohne Zigaretten sind die Symptome am heftigsten, sie verschwinden aber nach einigen Wochen langsam.

 

Soziale Abhängigkeit

Als Raucher gehören Sie automatisch zu einer Gruppe, etwa wenn Sie gemeinsam mit Arbeitskollegen eine kurze Rauchpause einlegen. Ob im Job oder beim Ausgehen mit Freunden - Rauchen gehört zu Ihrer sozialen Identität. Rauchen ist auch eine Sprache, eine bestimmte Art der Kommunikation: Sie bieten anderen Zigaretten an oder geben ihnen Feuer. Das Zigaretten anzünden steht für Vieles: Wartezeit ausfüllen, Pausen signalisieren oder der Einstieg in ein lockeres, zwangloses Gespräch. Deshalb kann der Rauchstopp ein Einschnitt in Ihr Sozialleben sein. Vom Raucher zum Nichtraucher zu werden, bedeutet eine Veränderung Ihrer Identität.

 

Psychische Abhängigkeit

Auch wenn Sie anfangs nur wenig geraucht haben - Ihre Rauchgewohnheiten werden über den Tag ein bestimmtes Muster annehmen. Manche Situationen lösen sofort das Verlangen nach einer Zigarette aus. Ein Beispiel: Sie greifen zur Zigarettenpackung, sobald Sie ins Auto gestiegen sind, alleine sind oder in Stresssituationen geraten. Sie verinnerlichen außerdem bestimmte Rituale: Die Art und Weise, wie Sie die Packung öffnen, die Zigarette halten oder den Rauch in die Luft blasen. Rituale begleiten Ihr Leben und sie sind selbst nach Jahren überraschend leicht wieder zu aktivieren: Auf Partys, Treffen mit alten Freunden oder in Krisensituationen. Wahrscheinlich assoziieren Sie folgende Wirkungen mit dem Rauchen:

  • Baut Stress, Unbehagen und Spannungen ab
  • Beruhigt, wenn Sie gereizt sind
  • Hilft gegen Ärger
  • Bekämpft Langeweile
  • Entspannt
  • Baut Angst, Unsicherheit und Schüchternheit ab.
Nikotin beeinflusst das Dopaminsystem im Gehirn und wirkt damit stimmungsaufhellend. Die Entwöhnung - also die Barriere der psychischen Abhängigkeit zu durchbrechen - ist die schwierigste Aufgabe. Dies ist der Grund, warum:

  • Ein Ex-Raucher auch nach Jahren der Abstinenz schon durch wenige Zigaretten wieder rückfällig werden kann.
  • Viele ehemalige Raucher sich niemals als „Nichtraucher“ bezeichnen würden, obwohl ihre letzte Zigarette schon Jahre zurückliegt.
  • Raucher selbst dann nicht aufhören, wenn Ihnen wegen der tabakbedingten Verengung der Arterien die Beinamputation droht (Raucherbein). Für einen Nichtraucher wäre eine solche Entscheidung absolut undenkbar.

Der Körper erholt sich

Zeitspanne Regeneration im Körper
Nach 20 Minuten Blutdruck, Körpertemperatur und Herzschlagfrequenz sinken auf gleiche Werte wie bei einem Nichtraucher.
Nach acht Stunden Der Raucheratem ist weg. Das giftige Kohlenmonoxid in den roten Blutkörperchen ist durch Sauerstoff ersetzt worden.
Nach 24 Stunden Das Risiko, einen plötzlichen Herztod zu erleiden, ist gesunken.
Nach 48 Stunden Veränderungen in den Nervenendungen verfeinern den Geruchs- und Geschmackssinn wieder.
Nach drei Tagen Das Atmen fällt merklich leichter.
Nach drei Monaten Die Blutzirkulation hat sich verbessert. Das Gehen wird leichter. Die Lungenkapazität ist bis zu 30 Prozent gesteigert.
Nach neun Monaten

Die chronische Reizung der Nasennebenhöhlen ist verebbt.

Der Raucherhusten ist weg, weil die feinen Härchen in den Lungen, die Fremdstoffe entfernen sollen, nachgewachsen sind.

Die allgemeine Leistungsfähigkeit verbessert sich.

Nach einem Jahr Das Risiko einer Erkrankung der Herzkranzgefäße ist nur noch halb so groß wie das eines Rauchers.
Nach neun Jahren Das Herzinfarktrisiko nimmt ab. Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ist wesentlich geringer.
Nach zehn Jahren Das Risiko, an Lungenkrebs zu sterben, ist so gering wie das eines Nichtrauchers.

Quelle: Verein  Herz und Gefäße e.V., Bad Oeynhausen, in Zusammenarbeit mit der Kardiologischen Klinik des Herz- und Diabeteszentrums NRW, Georgstraße 11, 32545 Bad Oeynhausen. Quelle: American Cancer Society/NZZ.

Datum: 20. Januar 2011

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