Stressbewältigung

Säulen der Stressbewältigung

Säulen der Stressbewältigung

Dr. med. Katharina Larisch

Stress kommt nicht von außen, Stress entsteht im Kopf. Ob wir eine Situation als stressig erleben oder nicht, hängt davon ab, wie wir sie bewerten. Denken Sie zum Beispiel an die Zuschauer eines Fußballspieles. Ein Tor fällt, 100.000 sind enttäuscht, 30.000 jubeln vor Begeisterung: Also nicht das Ereignis ist entscheidend, sondern die Wertung, die wir dem Ereignis geben. Ob Führerscheinprüfung, Vorstellungsgespräch oder erstes Date: Als belastend empfindet ein Mensch die Situation immer nur dann, wenn er sich ihr nicht gewachsen fühlt.

Am besten helfen positive Erfahrungen: Wer öfters erlebt hat, dass er eine schwierige Situation gut meistert, kann großen Druck besser bewältigen. Diese Menschen sind optimistischer und sehen Probleme eher als Herausforderung denn als Belastung. Menschen, denen solche Erfahrungen abgehen, werden sich in einer vergleichbaren Situation eher überfordert fühlen.

Genau deshalb ist es auch fatal, schwierigen Situationen möglichst aus dem Wege zu gehen: Nur wenn Sie sich den Herausforderungen stellen, können Sie Ihre Stressresistenz trainieren und Ihr Selbstbewusstsein stärken. Unsichere Menschen sollten hier erst einmal klein anfangen, bevor sie zu größeren Taten schreiten – genauso wie auch ein Laufanfänger sich nicht gleich einen Marathon vornehmen würde.

Ein Beispiel: Wenn Sie einen Vortrag halten müssen und Angst haben, vor einer Gruppe zu sprechen, üben Sie erst einmal im stillen Kämmerlein und trainieren Sie mit dem Partner oder Freunden.

Gedanklich umbewerten

Ein wichtiger Schlüssel für die erfolgreiche Bewältigung von Herausforderungen ist, wie ein Mensch diese bewertet. Positives Denken spielt dabei eine wichtige Rolle: Vermeiden Sie also unbedingt, sich ein bevorstehendes Bewerbungsgespräch als Horrorszenario auszumalen, nach dem Motto: „Bestimmt werde ich knallrot und fange an zu stottern“ – das ist kein hilfreicher Gedanke. Erinnern Sie sich stattdessen an vergleichbare Situationen, die Sie schon erfolgreich gemeistert haben und sprechen Sie sich Mut zu: „Ich schaffe das schon, das wäre doch gelacht".

Auch eingefleischte Schwarzseher und notorische Grübler können sich vom hausgemachten Stress befreien. Hier helfen allerdings nur scharfe Selbstbeobachtung und –disziplin. Sie ertappen sich dabei, wie Sie wieder einmal ins negative Gedankenkarussell einsteigen? Dann ziehen Sie die Notbremse: Lenken Sie sich ab und denken Sie bewusst an etwas anderes. Besser noch: Verkehren Sie die negativen Gedanken in positive.

 

Macht der Sorgen minimieren

Ebenfalls ein heilsamer Weg aus der ewigen Sorgenmacherei ist der Realitäts-Check: Sind die Ängste, die Sie plagen, tatsächlich begründet oder nicht doch vielmehr irrational? Viele Befürchtungen verflüchtigen sich auf diese Weise von allein.

Ein weiterer guter Trick, eine Situation zu entschärfen, besteht darin, bewusst ihre Bedeutung herabzustufen. Auch wenn Sie einen Job noch so gern hätten, Sie einen bestimmten Menschen beeindrucken möchten oder eine wichtige Verhandlung führen müssen: Wenn es diesmal nicht klappt, klappt es bestimmt ein andermal. Selbst wenn Sie sich wirklich blamieren sollten, ist das kein Weltuntergang. Manchmal hilft sogar das Supergau-Szenario: Malen Sie sich aus, was im allerschlimmsten Fall passieren könnte. Möglicherweise stellen Sie dann fest, dass sogar der berühmte „worst case“ ganz gut zu verkraften wäre.

 

Raus aus der Perfektionsfalle

„Nobody is perfect“, lautet ein britisches Sprichwort. Einige Menschen verlangen aber genau das von sich: Perfektion zu jeder Zeit und in jeder Lage. Damit setzen Sie sich unter unerhörten Druck. Da niemand derart hohen Ansprüchen auf Dauer gerecht werden kann, ist das Scheitern vorprogrammiert. Jeder Fehler, jede kleine Panne wird als Versagen empfunden – was weiteren Stress auslöst. Nehmen Sie Abschied von der Perfektionsfalle: kleine Schwächen sind menschlich und: Aus Fehlern lernt man.

Versuchen Sie, nicht alles so verbissen zu sehen, lernen Sie, über sich selbst zu lachen dies ist in jedem Fall der beste Weg, wie Sie dem hausgemachten Stress entgehen können. Tatsächlich hat eine von der American Physiological Society veröffentlichte Untersuchung der Universität Loma Linda ergeben, dass herzhaftes Lachen Stresshormone wie Kortisol, Dopamin und Adrenalin um 40 bis 70 Prozent abbaut.

 

Unterstützung von Profis

Leichter gesagt als getan, glauben Sie? Wer eingefleischte Denkstrukturen, Reaktionsmuster und Verhaltensweisen ablegen will, braucht unter Umständen professionelle Hilfe. Vor allem, wenn man vor lauter Stress nicht mehr klar denken kann, weil die Stresshormone das Denken so stark einengen. Vertrauen Sie sich Ihrem Arzt an. Reden Sie mit ihm, seien Sie offen und erklären ehrlich, was Sie umtreibt. Manchmal hilft schon das Gespräch mit einem Profi, um sich die stressenden Zusammenhänge besser klarzumachen und auf neue Ideen der Stressbewältigung zu kommen. Zu einer Therapie gehört immer auch die „sprechende Medizin“ – also das ausführliche Gespräch mit Ihrem Arzt. Dies ist ein entscheidender Teil der Therapie. Ihr Arzt kann Ihnen auch andere Experten empfehlen, die dann den möglichen Ursachen weiter auf den Grund gehen und Ihnen bei weiteren Stress-Strategien helfen.

Neben der gedanklichen Umbewertung der Situation können Sie stressige Zeiten aber auch gezielt mit Hilfe von geistigen und körperlichen Entspannungsmethoden meistern. Mehr dazu lesen Sie in dem Kapitel "Entspannungsübungen“.

Datum: 20. Januar 2011

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