Stressbewältigung

Stress & Gesundheit

Dr. med. Katharina Larisch

Unter Belastung läuft der menschliche Körper auf Hochtouren – und das ist auch gut so. Akuter Stress steigert die Herzfrequenz und den Blutdruck, er leitet Blut in die Muskeln um und schärft die Sinne. Körper und Geist sind bereit, eine brenzlige Situation zu bewältigen. Blitzschnell entschied sich der unzivilisierte Mensch in grauer Vorzeit für Flucht oder Kampf. War die Gefahr gebannt, regelte sich der Körper rasch wieder herunter auf den Normalzustand.

Heikel wird es aber, wenn der Ausnahme- zum Dauerzustand wird. Und genau das geschieht in unserem Alltag häufig, weil sich komplexere Problemstellungen nicht einfach mit Flucht oder gewaltsamen Auseinandersetzungen lösen lassen. Der Stress wird chronisch. Zirkulieren dann Stresshormone wie Adrenalin und Kortisol permanent im Blut, hat das weitreichende gesundheitliche Konsequenzen.

Schlecht fürs Herz

Dass chronischer Stress vor allem „auf die Pumpe“, das Herz geht, ist weithin bekannt. Herz und Kreislauf belastet der Daueralarm im Inneren besonders. Stressfolgen sind Bluthochdruck, erhöhte Blutfettwerte und verstärkte Ablagerungen in den Gefäßen - die gefürchtete Arteriosklerose. Die Konsequenzen können letztlich tödlich sein: Wer dauernd unter Strom steht, ist von Herzinfarkt und Schlaganfall bedroht. Doch während Infarkt & Co. früher als typische Managerkrankheiten galten, sind stressbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankungen heute in weiten Bevölkerungsschichten anzutreffen. Im glücklicherweise höchst seltenen - Extremfall, kann Stress direkt tödlich sein: Ist die Belastung zu groß, „überschlägt“ sich das Herz irgendwann, der Sauerstoff reicht nicht mehr und es kommt zum gefürchteten Herzinfarkt, einem stressbedingten Herzmuskelkollaps. Häufiger ist eine stressbedingte Herzmuskelschwäche, die Stress-Kardiomyopathie, die oft nur im Krankenhaus von einem echten Infarkt unterschieden werden kann.

 

Rebellischer Magen

Doch anhaltender Stress belastet noch ganz andere Körpersysteme. Geradezu sprichwörtlich ist, dass Stress auf den Magen schlägt. Denn die Stresshormone beeinflussen auch das vegetative Nervensystem, das unter anderem für die Verdauung zuständig ist. Der Körper produziert dann beispielsweise mehr Magensäure, was zu Sodbrennen führen kann und Magengeschwüre begünstigt.

Hinzu kommt: Weil unter Stress andere Körpervorgänge Vorrang haben, geraten die Verdauungsprozesse ins Hintertreffen. Manche Stressopfer bekommen daher chronische Verdauungsbeschwerden: Sie leiden unter Verstopfung oder Durchfällen.

 

Verspannte Muskeln, angreifbares Immunsystem

Bei anderen macht sich die dauernde Anspannung auch schmerzhaft in der Muskulatur bemerkbar: Sie sind verspannt, leiden unter Kopfschmerzattacken oder unter chronischen Rückenschmerzen.

Nicht zu unterschätzen ist auch die Tatsache, dass Stress auf Dauer das Immunsystem schwächt. Bakterien und Viren haben im Körper stressgeplagter Menschen leichtes Spiel: Stressopfer leiden beispielsweise häufiger unter lästigem Schnupfen, und Herpesbläschen blühen auf.

 

Ungesunder Lebensstil

Dass Stress das Risiko für Krebserkrankungen direkt erhöht, konnten entsprechende Studien nicht bestätigen. Allerdings neigen Menschen in belastenden Situationen zu einer ungesunden Lebensführung: Sie stopfen Fastfood in sich hinein, rauchen Kette oder trinken mehr Alkohol als sonst – mit den bekannten gesundheitlichen Risiken von Übergewicht und Diabetes über Leberzirrhose bis hin zum Krebs.

Die Dauerbelastung kann auch bestehende Krankheiten verschlimmern: So geht Neurodermitikern der Stress buchstäblich unter die Haut, und Ekzeme flackern auf. Bei Diabetikern schießen plötzlich die Blutzuckerwerte in die Höhe.

 

Auch die Seele leidet

Angesichts der Fülle an Auswirkungen, die negativer Stress auf den Körper hat, geraten die seelischen Schäden schnell aus dem Blick. Dabei sind sie nicht weniger gravierend als die körperlichen: Wer dauernd unter Strom steht, reagiert zunächst mit innerer Anspannung, nervöser Unruhe, Gereiztheit, Konzentrationsschwäche und Schlafstörungen. Später drohen Erschöpfung  und sogar handfeste psychische Erkrankungen wie ein Burn-Out-Syndrom Angstzustände, Panikattacken und Depressionen.

Gerade, wenn Sie gestresst sind, sollten Sie auf physische und psychische Warnsignale besonders achten. Schmerzen sind dabei immer noch das wichtigste Anzeichen, mit dem der Körper uns auf Missstände aufmerksam macht – das gilt für Magen-, Kopf- und Rückenschmerzen und erst recht für Schmerzen in der Brust, die auf einen Infarkt hinweisen können. Dann sollten Sie in jedem Fall sicherheitshalber einen Arzt aufsuchen. Er kann herausfinden, ob Ihre Beschwerden nur ein Warnschuss des Körpers sind, oder ob schon bestimmte Krankheiten vorliegen.

 

Druck ablassen: Sport und Entspannung

Andere Stressfolgen machen sich jedoch nicht sogleich bemerkbar - beispielsweise Bluthochdruck und erhöhte Zucker- oder Cholesterinwerte. Daher sollten Sie sich gerade in stressigen Phasen die Zeit für regelmäßige ärztliche Vorsorgeuntersuchungen nehmen. So lassen sich Risikofaktoren aufdecken. Wer die Warnsignale erkennt und ernst nimmt, kann gegensteuern, bevor Körper und Seele nicht mehr mitmachen.

Am besten ist jedoch, Sie lassen es erst gar nicht soweit kommen, dass die Belastung Schaden anrichtet. Vermeiden Sie unnötigen Druck – vieles, von dem wir glauben, es müsse unbedingt sein, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als gar nicht so wichtig. Versuchen Sie, die Dinge leichter zu nehmen und auch einmal Fünfe gerade sein zu lassen – Perfektionismus ist eine der größten Stressfallen.

Sorgen Sie dafür, dass der Dauerdruck nicht an die Substanz geht, indem Sie für Ausgleich sorgen. Wie das am besten geht, ist eine Typfrage: Während die einen überschüssige Stresshormone beim Sport auspowern, hilft anderen gezieltes Entspannen mit Yoga & Co. oder ganz einfach ein entspannendes Bad. Mehr Tipps, wie Sie dem Stress ein Schnippchen schlagen, finden Sie in unserem Kapitel „Stressbewältigung“.

Datum: 20. Januar 2011

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