Stressbewältigung

Endlich mehr Zeit

Endlich mehr Zeit

Dr. med. Katharina Larisch

Im Grunde ist nichts auf der Welt so gerecht verteilt wie die Zeit. Der Tag hat 24 Stunden, für jeden. Immer mehr Menschen scheint die Zeit jedoch zu knapp bemessen: Sie hetzen von Termin zu Termin, verzweifeln vor den aufgetürmten Aktenbergen und schlafen nachts schlecht, weil sie wieder nicht alles erledigt haben. Kurz: Sie stehen dauernd unter Druck.

Ressource Zeit

Zeit ist in unserer Gesellschaft zu einer knappen Ressource geworden. Besonders tragisch: Meist bleiben aus Zeitmangel ausgerechnet jene Dinge auf der Strecke, die das Leben lebenswert machen. Die meisten Deutschen wünschen sich vor allem eines: mehr Zeit. Einer Forsa-Befragung aus dem Dezember 2010 zufolge, haben sich 56 Prozent vorgenommen, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen. 59 Prozent möchten gezielt Stress abbauen oder vermeiden. Und mehr als die Hälfte der Befragten braucht mehr Zeit für sich: Zeit, um endlich Sport zu treiben. Zeit für Freunde. Zeit, das Essen zu genießen, statt es nebenbei herunterzuschlingen. Zeit, ein Buch zu lesen, ein Gespräch zu führen - oder einfach einmal unverplante „Frei-Zeit“ zu haben.

Aber dann gibt es auch jene beneidenswerten Zeitgenossen, die offenbar ganz entspannt durchs Leben gehen, obwohl auch sie viel um die Ohren haben. Ihr Geheimnis: Sie nutzen ihre Zeit möglichst effektiv. Ein anderes Wort dafür lautet „Zeitmanagement“. Und das kann jeder lernen!

 

Zeittagebuch führen

Eine gute Methode, der verlorenen Zeit auf die Spur zu kommen, ist ein Zeittagebuch. Notieren Sie eine Woche lang, was Sie in jeder einzelnen Stunde getan haben. So gewinnen Sie einen Überblick darüber, wie viel Zeit Sie wofür aufwenden.

 

Sortieren, entrümpeln, strukturieren

Im zweiten Schritt geht es darum, Ordnung in Ihren Zeithaushalt zu bringen. Machen Sie eine Liste mit allen Aufgaben, die Sie erledigen wollen - heute, in dieser Woche, in diesem Jahr. Anschließend bewerten Sie: Wie wichtig ist die Aufgabe? Und wie dringend ist sie? Das sind nämlich zwei ganz unterschiedliche Dinge. Wichtig ist alles, was Ihr Privat- oder Arbeitsleben entscheidend beeinflusst, Sie Ihren Zielen näher bringt, aber auch alles, was Ihnen besonders am Herzen liegt.

Reservieren Sie für die wichtigen Dinge unbedingt Zeit in Ihrer Planung, sonst werden sie von den dringenden – oder scheinbar dringenden - Aufgaben verdrängt. Dringend sind alle Terminsachen. Eine Aufgabe entpuppt sich als wenig wichtig und gar nicht dringend? Dann streichen Sie sie gnadenlos von Ihrer Liste. Oft handelt es sich dabei um Dinge, die andere von Ihnen erwarten oder die Sie sich selbst unnötig abverlangen. Lernen Sie also unbedingt freundlich aber bestimmt „nein“ zu sagen, anderen gegenüber aber auch zu sich selbst.

 

Der richtige Zeitpunkt

Für jede Aufgabe gibt es den passenden Zeitpunkt. Vormittags können sich die meisten Menschen besonders gut konzentrieren. Diese Stunden sind viel zu kostbar, um sie mit der Beantwortung von E-Mails zu verschwenden. Clevere Zeitgenossen reservieren sich diese Hochleistungsphase des Tages für wichtige, komplexe oder kreative Arbeiten. Während des Leistungstiefs am Nachmittag können Sie gut Routineaufgaben abarbeiten, statt sich dann mit komplizierten Projekten herumzuschlagen.

Auf diese Weise schaffen Sie alle Aufgaben viel schneller, als wenn Sie diese zum falschen Zeitpunkt anpacken. Natürlich tickt jeder Mensch ein bisschen unterschiedlich. Mit etwas Selbstbeobachtung finden Sie jedoch schnell heraus, wann Sie Ihr Leistungshoch haben und wann Sie welche Aufgabe am besten meistern.

 

Das Schwerste zuerst!

Aufgaben, die Sie ungern erledigen oder die Ihnen übergroß erscheinen, vertagen Sie gerne, richtig? Ihr innerer Schweinehund hat dafür tausend gute Ausreden parat. Tatsächlich verschlimmert das jedoch Ihre Lage. Denn so belastet Sie die Angelegenheit insgesamt viel länger und raubt Ihnen kostbare Gedankenzeit und -energie. In solchen Fällen heißt es: Packen Sie den Stier bei den Hörnern! Je früher Sie die Sache erledigen, desto schneller haben Sie wieder Raum für angenehmere Projekte.

Ein guter Trick, auch große Aufgaben zu erledigen, ist, sie in kleine überschaubare Einheiten zu unterteilen. Entrümpeln Sie nicht gleich die ganze Wohnung, aber fangen Sie mit einem Schrank an.

 

Dinge am Stück erledigen

Manche Aufgaben erledigen Sie dagegen am besten in einem Aufwasch. Kümmern Sie sich um Ihre Ablage einmal pro Woche oder pro Monat – je nach Umfang. Sonst müssen Sie jedes Mal aufs Neue Ordner und Locher hervorkramen: Das kostet unnötige Zeit. Ebenso sinnvoll ist es, alle Schuhe gleichzeitig zu putzen, die Wäsche in einem Rutsch zu bügeln und das Geschirr komplett abzuspülen statt einzelner Tassen. Das gilt aber auch, für Aufgaben, die viel Konzentration verlangen. Nach jeder Unterbrechung müssen Sie sich wieder in die Materie hineinfinden.

 

Zeitlücken nutzen

Sie haben eine Verabredung, und der andere verspätet sich? Ihr Bus steht plötzlich im Stau? Nutzen Sie die unverhoffte Zeitlücke, um Kleinkram zu erledigen. Machen Sie endlich einen Zahnarzttermin aus. Planen Sie den nächsten Tag. Gratulieren Sie jemandem zum Geburtstag. Bei einem Blick auf Ihren Zeitplan werden sie sicher fündig. Oder aber, Sie nutzen die Zeit, sich bewusst zu entspannen, statt nervös auf die Uhr zu schauen.

 

Zeitpuffer einbauen

Das Leben steckt voller Überraschungen. Ein neuer Eilauftrag flattert ins Haus, das Auto streikt oder man benötigt für eine Aufgabe länger als angenommen. Wer seinen Tag bis auf die letzte Minute verplant, hinkt seinem Terminkalender bald hoffnungslos hinterher. Zeitmanagementprofis wissen das ganz genau und planen reichlich Pufferzeit ein: Nur 60 Prozent des Tages sollten fest verplant sein. Der Rest füllt sich von selbst. So können Sie auch auf Unvorhergesehenes flexibel, entspannt und souverän reagieren.

Datum: 20. Januar 2011

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