Pflege

Betreutes Wohnen

Dr. med. Katharina Larisch

Manchen Menschen fällt es im Alter schwer, die alltäglichen Dinge und ihren Haushalt zu bewältigen, Alleinstehende sorgen sich, dass sie krank werden oder stürzen und sich verletzen könnten. Neue Formen des Wohnens wie „Betreutes Wohnen", „Wohnen mit Service", „Seniorenwohnen" oder „Seniorenresidenzen" sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden.

Die Vorteile des eigenen Haushaltes, Unabhängigkeit und Privatsphäre werden kombiniert mit den Vorteilen eines Heims, das Versorgungs-, Betreuungs- und Pflegeleistungen sowie Sicherheit und Barrierefreiheit bietet. Der Bewohner erhält sich eine größtmögliche Autonomie.

Die Betreuung findet in speziellen Seniorenwohnanlagen statt. Diese sind für viele Menschen eine Alternative zu Wohnungen ohne Aufzug, Bädern, die nicht seniorengerecht ausgestattet sind oder zu Pflegeheimen, in denen man relativ anonym und ohne seine vertrauten Gegenstände lebt. Denn die meisten Menschen wollen auch im Alter unabhängig und selbstständig sein sowie ihre gewohnte Lebensqualität weiterhin genießen.

Die Seniorenresidenzen bieten altersgerecht gestaltete Wohnungen mit ausreichend Platz sowie individuell zugeschnittene Betreuungsangebote. Die Senioren können in den „eigenen vier Wänden“ leben, sind aber im Krankheitsfall gut versorgt. Eine altengerechte Wohnanlage ist räumlich und/oder organisatorisch meist an ein Pflegeheim, mindestens aber an einen Pflegedienst, angekoppelt.

Flexibler Service

Die Appartements in solchen Anlagen sind in der Regel mit einem Hausnotrufanschluss ausgestattet, über den die Bewohner rund um die Uhr Hilfe rufen können. Für Bewohner, denen das Einkaufen oder Kochen schwer fällt, gibt es die Möglichkeit, sich Mahlzeiten liefern zu lassen oder sie gemeinsam mit den anderen Hausbewohnern einzunehmen. Darüber hinaus bieten die Einrichtungen Wäsche- und Wohnungspflege an, stellen Handwerker- und Hausmeisterdienste zur Verfügung und organisieren gesellige Veranstaltungen.

Manche Häuser erinnern eher an Hotels und bieten Restaurants, Cafés, Clubräume, Schwimmbad, Sauna, Einkaufsmöglichkeiten, Friseur, Physiotherapie, Arztpraxis oder einen ambulanten Pflegedienst.

 

Senioren aktivieren

Über den Service hinaus bieten gehobene Seniorenresidenzen ein weit gefächertes Angebot: Durch gemeinsame Ausflüge, kulturelle Angebote und Gruppenabende im Haus werden neue Kontakte geknüpft. Die Sicherheit, gesundheitlich gut betreut zu sein, gepaart mit einem abwechslungsreichen Wochenablauf eröffnet vielen älteren Menschen eine neue Lebensperspektive.

Gerade bei älteren Menschen ist die Gefahr groß, dass die geistige Leistungsfähigkeit nachlässt. Mit gemeinsamen Spielen, Gedächtnistraining und einer festen Tagesstruktur versucht man etwaigen Rückschritten zu begegnen.

 

Hilfe und Hilfsmittel im Krankheitsfall

Werden die Bewohner krank, können sie sich in der Regel in der eigenen Wohnung von qualifiziertem Personal versorgen lassen. Einige Seniorenresidenzen bieten sogar die Möglichkeit, weiterhin im eigenen Appartement wohnen zu bleiben, auch wenn sie einmal pflegebedürftig werden sollten. Manche Pflegebedürftige benötigen Hilfsmittel, die notwendig sind oder ihren Alltag erleichtern.

Dazu gehören unter anderem:

  • Rollstühle, Geh- und Sitzhilfen,
  • Bad- und WC-Hilfen
  • Spezielle Betten und -zubehör,
  • Hilfsmittel bei Inkontinenz
  • Verband- und Pflegematerial

Gesetzliche Kassen übernehmen bei den Hilfsmitteln seit der Gesundheitsreform 2004 nur noch Zuschüsse bzw. Festbeträge. Die Patienten müssen sich finanziell stärker an den Kosten beteiligen. In der privaten Krankenversicherung hängt die Erstattung vom individuellen Versicherungsumfang ab. Es empfiehlt sich auf jeden Fall die Kostenübernahme im Vorfeld mit der Versicherung zu klären.

 

Die richtige Wahl

Für die Auswahl einer Einrichtung des Betreuten Wohnens sollten Sie sich Zeit lassen und verschiedene Angebote vergleichen. Noch ein Tipp: Lassen Sie sich zum Besichtigungstermin von einer Vertrauensperson begleiten, mit der Sie später die Eindrücke besprechen können. Sagt Ihnen die Atmosphäre zu? Vielleicht bietet sich die Gelegenheit, mit anderen Bewohnern zu sprechen? Auch wenn Sie derzeit noch gern selbst kochen, sollten Sie zumindest einen Blick auf die Speisekarte werfen und möglichst einmal Probeessen. Vielleicht ziehen Sie es in einiger Zeit vor, sich bekochen zu lassen.

Schauen Sie sich auch die Umgebung gut an – schließlich sollen Sie sich in Ihrem neuen Zuhause längere Zeit wohl fühlen: Gibt es hier alles, was Ihnen wichtig ist – Leihbücherei, Einkaufsmöglichkeiten, Grünflächen zum Spazieren gehen, gute Verkehrsverbindungen oder ein nahe gelegenes Schwimmbad. Gute Einrichtungen bieten in der Regel auch die Möglichkeit des Probewohnens. Hier können Sie den Alltag in einer Residenz hautnah kennen lernen, ohne eine große Verpflichtung einzugehen.

Für Wen geeignet?

Das betreute Wohnen eignet sich für ältere Menschen, die in einem altersgerechten Wohnkonzept ein höchstes Maß an Selbstbestimmung und Unabhängigkeit leben möchten. Es ist auch eine Alternative für Alleinstehende, die einen intensiveren Anschluss an Gleichaltrige suchen. Ehepaare oder befreundete ältere Menschen, die in einem guten Serviceumfeld gemeinsam ihren Lebensabend verbringen möchten, sind hier ebenfalls richtig. Geeignet ist es auch für ältere Menschen, die Sicherheit suchen, bevor sie pflegebedürftig sind.

 

Die drei Pflegestufen

Wie hoch der Kostenbeitrag der Pflegeversicherung ist, hängt von der jeweiligen Pflegestufe ab. Meist ist die Empfehlung eines Gutachters ausschlaggebend, welche Pflegestufe die Kasse bewilligt.

Erhebliche Pflegebedürftigkeit (Stufe I):
Erheblich pflegebedürftig ist jemand, der neben der hauswirtschaftlichen Versorgung bei der Pflege einmal täglich für mindestens 90 Minuten fremder Hilfe bedarf. Davon müssen mehr als 45 Minuten für die Grundpflege benötigt werden. Zur Grundpflege gehören Hilfen bei Körperpflege, Ernährung und Mobilität. Die Zahlung der Pflegeversicherung liegt seit dem 1.1.2010 bei 440 Euro. Überdies ist eine schrittweise Erhöhung auf 450 Euro bis zum Jahr 2012 geplant.

Schwerpflegebedürftigkeit (Stufe II):
Schwer pflegebedürftig ist jemand, der mindestens drei Mal täglich zu verschiedenen Tageszeiten für insgesamt wenigstens drei Stunden Hilfe braucht. Mindestens zwei Stunden davon müssen für die Grundpflege benötigt werden. Die Zahlung der Pflegeversicherung liegt seit dem 1.1.2010 bei 1040 Euro. Überdies ist eine Schrittweise Erhöhung auf 1100 Euro bis zum Jahr 2012 geplant.

Schwerstpflegebedürftigkeit (Stufe III):
Schwerstpflegebedürftig ist jemand, der rund um die Uhr und auch nachts Unterstützung benötigt. Durchschnittlich müssen mindestens fünf Stunden täglicher Hilfebedarf erreicht werden. Davon müssen auf die Grundpflege mindestens vier Stunden entfallen. Die Zahlung der Pflegeversicherung liegt seit dem 1.1.2010 bei 1510 Euro. Überdies ist eine schrittweise Erhöhung auf 1550 Euro bis zum Jahr 2012 geplant.

 

Härtefall

Übersteigt die geleistete Pflege deutlich die Voraussetzungen der Pflegestufe III, kann eine Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. Eine Härtefallregelung kommt in Betracht, wenn die Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (Grundpflege) täglich durchschnittlich sieben Stunden erfordert. Zwei dieser sieben Stunden müssen auf die Nacht entfallen. Eine Härtefallregelung greift auch, wenn nachts regelmäßig zwei Pflegepersonen gleichzeitig benötigt werden.

Datum: 25. Januar 2011