Gesunde Ernährung

Ernährung bei Übergewicht

Übergewicht

Irmgard Reichhardt, Dipl.-Oecotrophologin

Übergewicht ist in Deutschland ein „dickes“ Problem: 51 Prozent der erwachsneen Bevölkerung hierzulande sind nach einer Erhabung das Statistischen Bundesamtes zu dick, 16 Proezetn der Männer und 14 Prozent der Frauen sind sogar fettleibig (adipös). Fettleibige Menschen haben eine übermäßige Ansammlung von Fettgewebe im Körper.

Doch was heißt überhaupt „zu dick“? Einen Hinweis hierzu liefert der so genannte Body-Mass-Index (BMI). Er errechnet sich aus dem Verhältnis von Gewicht und Körpergröße. Die Formel lautet (Gewicht in Kilogramm): (Körpergröße in Metern zum Quadrat). Ein 1,70 m großer Mensch, der 60 Kilo auf die Waage bringt, hat folglich einen BMI von 20,76, bei 69 Kilo läge der BMI bei 24 - beides entspricht dem Normalgewicht. Der BMI liegt bei Normalgewichtigen zwischen 18.5 und 24,9 kg/m². Von Übergewicht spricht man bei einem BMI zwischen 25 und 29,9 kg/m², von Fettleibigkeit bei einem BMI ab 30 kg/m² und aufwärts. Eine 1,70 Meter große Person, die 88 Kilo und mehr auf die Waage bringt, ist demnach fettleibig.

Doch der Body-Mass-Index ist ein Richtwert. Sehr muskulöse Menschen beispielsweise gelten nicht als übergewichtig, obwohl sie aufgrund der schweren Muskelmasse deutlich höhere BMI-Werte erreichen.

Dick/Fettleibig?

Eine weitere Möglichkeit, um kritisches Übergewicht zu ermitteln, ist die Messung des Bauchumfangs. Denn Fett, das sich im Bauchraum ansammelt („Apfelform“), erhöht das Risiko für Herzkreislauf-Erkrankungen oder Diabetes sehr viel stärker als Fettpolster, die beispielsweise am Po oder den Oberschenkeln sitzen („Birnenform“). Bei Frauen sollte der Bauchumfang möglichst unter 80 Zentimetern liegen, bei Männern unter 94 Zentimetern. Ab 88 cm bei Frauen und ab 102 cm bei Männern spricht die Deutsche Adipositas Gesellschaft von einem deutlich erhöhten Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes.

 

Wann kommt es „dicke“?

Übergewicht entsteht immer dann, wenn ein Mensch mehr Energie zu sich nimmt als er verbraucht. Meist kommen die Pfunde nicht von einem Tag auf den anderen, sondern schleichend: Wer sich täglich 200 Kalorien zu viel gönnt - also beispielsweise einen halben Liter Bier oder auch einen Sahnejoghurt - hat nach einem Jahr zehn Kilo mehr auf den Rippen. Wer nicht zu- oder sogar abnehmen möchte, muss also seine Energiebilanz verbessern, d.h. weniger Energie aufnehmen und mehr verbrauchen. Das funktioniert entweder, indem er weniger Kalorien zu sich nimmt, oder indem er mehr verbrennt - in Form von Bewegung. Am besten sind beide Maßnahmen!

 

Gute und schlechte Futterverwerter

Auch individuelle Faktoren entscheiden darüber mit, wie stark jemand mit seinen Pfunden kämpfen muss: So bestimmen die Erbanlagen ein bisschen mit, ob jemand ein „guter oder schlechter Futterverwerter“ ist. Bei den einen  erhöht jedes Stück Schokolade den Taillenumfang, während sich die anderen die eine oder andere Nascherei erlauben können. Die "schlechten Futterverwerter" verbrauchen mehr Energie, weil sie teilweise als Wärme verpufft und nicht als Fett gespeichert wird. Sie setzen also nicht ganz so schnell Kilos an, selbst wenn sie die gleichen Energiemengen wie gute Futterverwerter aufnehmen.
Schlechte Futterverwerter sind in der Überflussgesellschaft im Vorteil: Sie können mehr essen und nehmen dabei nicht so schnell zu. Doch Übergewicht ist kein Schicksal - es entsteht dann, wenn Energiebedarf und Energiezufuhr nicht zusammenpassen.

Auch die Aktivitäten bestimmter Enzyme spielen eine Rolle. Das Enzym Lipoproteinlipase (kurz LPL) schleust Nahrungsfett in die Fettzellen. Forscher haben herausgefunden, dass Übergewichtige überreich mit diesem Enzym ausgestattet sind und so mehr Fett einlagern. Das Enzym wird überaktiv bei Schlankheitskuren, besonders wenn auf Fett fast ganz verzichtet wird. Es ist auch mitverantwortlich für den so genannten Jo-Jo-Effekt: Nach einer Schlankheitskur steigt das Gewicht schnell wieder an, manchmal sogar höher als zuvor

Es gibt noch andere Faktoren, die den so genannten Grundumsatz beeinflussen, also die Energie die der Körper im Ruhezustand verbraucht. Während einer strengen Diät schaltet der Körper sein Energiesparprogramm ein und der Grundumsatz sinkt. Das ist der Grund dafür, dass wir mühsam abgehungerte Pfunde nach Ende der Hungerkur bald schon wieder „drauf“ haben. Crashdiäten sind daher meist wenig sinnvoll. Langfristig bekommt man sein Gewicht nur mit einer Ernährungsumstellung und mehr Bewegung in den Griff. Davon profitiert nicht nur die Optik, auch die Gesundheitsrisiken sinken mit jedem schwindenden Pfund.

 

Riskante Pfunde

Übergewicht an sich ist noch keine Krankheit. Doch wer unnötig viel Fett mit sich herumschleppt, läuft Gefahr, auf Dauer krank zu werden. Dabei spielen nicht nur die überflüssigen Polster selbst eine Rolle, sondern auch, dass Dicke sich meist ungesund ernähren. Sie essen einerseits zu viel, zu fett und zu süß, andererseits enthält ihre Nahrung zu wenig Ballaststoffen und Vitamine. Dazu kommt häufig zu wenig Bewegung.

 

Speck geht aufs Herz

Besonders hoch ist das Risiko dicker Menschen, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu erkranken. Hier spielen verschiedene Faktoren zusammen. Wer beispielsweise gern deftig isst, viel Fleisch, Wurst und Käse schlemmt, nimmt viele gesättigte Fettsäuren und Cholesterin zu sich. Die Cholesterinwerte im Blut steigen. Auf Dauer lagern sich die Blutfette zusammen mit anderen Blutbestandteilen in den Innenwänden der Blutgefäße ab. Die Folge ist die so genannte Arteriosklerose, umgangssprachlich auch Arterienverkalkung genannt. Verstopft ein verengtes Gefäß, werden beispielsweise Teile des Herzmuskels nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. Ähnliches kann auch im Gehirn passieren. Es kommt zu einem Herzinfarkt bzw. Schlaganfall. Verstärkend hinzu kommt, dass Übergewichtige häufig unter Bluthochdruck leiden, was die Gefahr für einen Infarkt zusätzlich erhöht.

 

Zuviel Zucker im Blut

Dicke Menschen erkranken zudem häufig an Diabetes Typ 2. Um die großen Nahrungsmengen verwerten zu können, muss der Körper viel Insulin bilden. Auf Dauer stumpfen die Körperzellen ab, sie reagieren weniger sensibel auf das Hormon und benötigen immer größere Mengen, um den Blutzucker verwerten zu können. Das kurbelt die Insulinproduktion weiter an. Die jahrelange Überproduktion führt schließlich zu einer Erschöpfung der insulinproduzierenden Zellen - der Blutzucker steigt, und ein Typ 2-Diabetes entwickelt sich.

 

Fett als Krebsfaktor

Das Risiko für verschiedene Krebsleiden ist für Menschen, die sich falsch ernähren oder übergewichtig sind, ebenfalls größer.  Dazu gehören Brust-, Prostata- und Darmkrebs und Tumorerkrankungen der Gallenwege. Wissenschaftler vermuten auch hier ein Zusammentreffen verschiedener Faktoren. Bei manchen Krebsarten spielt die Art der Ernährung, bei anderen das Ausmaß des Übergewichts eine Rolle. Ein Beispiel ist Brustkrebs: Im Fettgewebe wird das Hormon Östrogen zusätzlich gebildet, und Östrogen ist ein Risikofaktor für Brustkrebs. Übergewichtige Frauen haben deshalb ein erhöhtes Brustkrebsrisiko. Ein großer Verzehr von Obst und Gemüse ist in jedem Fall zu empfehlen, da die darin enthaltenen sekundären Pflanzeninhaltsstoffe das Risiko für die meisten Krebsarten senken.

 

Zähne im Stress

Auch die Zähne von Übergewichtigen leiden unter der Nahrungsflut. Denn Dicke essen nicht nur mehr, sondern oft auch häufiger als schlanke Menschen: hier ein Stück Schokolade, da ein Happen zwischendurch. Mit jeder Nahrungsaufnahme verändert sich aber das Milieu im Mundraum zugunsten der Kariesbakterien. Die Folge: Dicke Menschen haben öfter Zahnprobleme.  

Experten als Verbündete

Angesichts der Vielzahl von gesundheitlichen Risiken, die Hüftgold & Co. mit sich bringen, zahlt sich eine Ernährungsumstellung unbedingt aus. Wichtig ist eine ausgewogene und gesunde Ernährung mit viel Obst und Gemüse. Doch jeder weiß: Eingefleischte Gewohnheiten abzulegen fällt schwer - besonders wenn’s ums Essen geht. Im Rahmen der Eigenvorsorge kann hier ein Ernährungsberater helfen. Er gibt Tipps, welche Lebensmittel gut für Sie sind, welche Sie reduzieren sollten und auf welche Sie am besten ganz verzichten. In erster Linie geht es darum, Ihre Ernährungsweise zu verbessern.

Wichtig ist, dass er Ihre Vorlieben und Lebensweise einbezieht, damit Ihre Erfolgschancen gut stehen. Falls Sie abnehmen müssen und dies nicht alleine schaffen: Versuchen Sie es einmal in der Gruppe. Sie können sich mit anderen „Leidensgenossen“ austauschen und sich Tipps und Hilfestellung holen. Das hilft manchmal, um bei der Stange zu bleiben. Umgekehrt können Sie auch anderen Mut machen. Das Motto: Mit Rat und Tat zur Seite stehen, denn gemeinsam geht’s leichter!

Für Übergewichtige sind die routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen beim Arzt besonders wichtig. Nur so lassen sich bedenkliche Blutdruck-, Cholesterin- oder Blutzuckerwerte, aber auch Krebs möglichst frühzeitig entdecken und behandeln. Ihre Eigeninitiative hilft größere Schäden zu vermeiden.

Datum: 17. Januar 2011

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